Ritualmordprozesse. Publizistische und literarische Strategien zur Abwehr des Antisemitismus am Beispiel von Joseph Samuel Bloch und Arnold Zweig
摘要
Unter dem Einfluss des modernen Antisemitismus kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu folgenreichen Ritualmordanschuldigungen, bei denen sich Juden gegen den widersinnigen Vorwurf, christliche Kinder zu rituellen Zwecken ermordet zu haben, vor Gericht verteidigen mussten. Flankiert wurden diese Gerichtsprozesse von den Massenmedien, die sich sowohl affirmativ als auch kritisch dazu verhielten und versuchten, die Rechtsprechung sowie die damit auf dem Spiel stehende Glaubwürdigkeit des Verschwörungsnarrativs zu beeinflussen. In unserem Beitrag fragen wir nach den Verflechtungen und Friktionen juristischer und literarischer Geltungssphären und nehmen dafür das anti-antisemitische Engagement des Publizisten Joseph Samuel Bloch und des Schriftstellers Arnold Zweig in den Blick, die den antisemitischen Blutlügen auf juristischem, publizistischem und literarischem Wege widersprachen. Der intensiv geführte, mediale Abwehrkampf gegen den Antisemitismus kann als Reaktion auf eine nicht ausreichende Durchsetzung geltender Rechtsnormen verstanden werden, die neben einer juristischen Verteidigung auch ein ‚literarisches Debunking‘ notwendig erscheinen ließ.