Obwohl es Algorithmen schon seit Jahrtausenden gibt, spielten sie (abgesehen von der Notwendigkeit der Beherrschung der Grundrechenarten) bis in die jüngste Zeit hinein keine große Rolle im Bewusstsein der meisten Menschen. Das änderte sich, als etwa ab der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Computern universelle Maschinen zur Abarbeitung von Algorithmen entwickelt wurden. Ihre Einsatzgebiete waren zunächst beschränkt auf vorwiegend numerische Anwendungen in Technik, Wissenschaft und sehr bald auch im Wirtschaftsbereich. Ende der 1970er Jahre kam es zu einer Revolution mit ungeahnten Auswirkungen. Die Fortschritte in der Transistortechnik ermöglichten den Mikroprozessor und leiteten damit die Ära der fortlaufenden Miniaturisierung, des Preisrückgangs und damit des „personal computing“ ein. Dies brachte eine enorme Steigerung der Rechenleistung mit sich, die dem Normalbürger tagtäglich zur persönlichen Verfügung stand. Der PC hatte sich zum Zentrum des Büros entwickelt. Eine moderne Form dieser Geräte stellen die Smartphones (bzw. Tablet Computer) dar, von denen jedes heute ein Vielfaches der Rechenleistung von früheren Supercomputern hat. Mit den PCs, Desktop-, Notebook-, Tablet-Computern und Smartphones ist heute jedermann, der über die nötigen anwendungsbezogenen und computerspezifischen Kenntnisse verfügt, in der Lage, jederzeit computergesteuerte Prozesse ablaufen zu lassen. Zur Bedeutung der Digitalisierung für die Gesellschaft: Wenn man sich fragt, wieso der technologische Begriff der Digitalisierung plötzlich in der gesellschaftspolitischen Diskussion aufgetaucht ist, dann wird sehr bald klar: Ohne Digitalisierung wäre die umfassende „Computerisierung“ der Gesellschaft nicht möglich. Vom Personalwesen (Beispiel: digitaler Personalausweis) über die Wirtschaft und das Gesundheitswesen ist heute fast alles „durch-digitalisiert“ - oder man befindet sich gerade in der Phase der Digitalisierung. Dennoch gilt: Für die gesellschaftspolitischen Auswirkungen ist nicht die Digitalisierung verantwortlich sondern die Computerisierung. Erst der Computer und die Algorithmisierung machen aus den passiven Daten aktive Gestaltungselemente. Man sollte also lieber von Computerisierung statt von Digitalisierung sprechen, wenn es um gesellschaftliche Fragen geht.

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Algorithmik und Gesellschaft

  • Jochen Ziegenbalg

摘要

Obwohl es Algorithmen schon seit Jahrtausenden gibt, spielten sie (abgesehen von der Notwendigkeit der Beherrschung der Grundrechenarten) bis in die jüngste Zeit hinein keine große Rolle im Bewusstsein der meisten Menschen. Das änderte sich, als etwa ab der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Computern universelle Maschinen zur Abarbeitung von Algorithmen entwickelt wurden. Ihre Einsatzgebiete waren zunächst beschränkt auf vorwiegend numerische Anwendungen in Technik, Wissenschaft und sehr bald auch im Wirtschaftsbereich. Ende der 1970er Jahre kam es zu einer Revolution mit ungeahnten Auswirkungen. Die Fortschritte in der Transistortechnik ermöglichten den Mikroprozessor und leiteten damit die Ära der fortlaufenden Miniaturisierung, des Preisrückgangs und damit des „personal computing“ ein. Dies brachte eine enorme Steigerung der Rechenleistung mit sich, die dem Normalbürger tagtäglich zur persönlichen Verfügung stand. Der PC hatte sich zum Zentrum des Büros entwickelt. Eine moderne Form dieser Geräte stellen die Smartphones (bzw. Tablet Computer) dar, von denen jedes heute ein Vielfaches der Rechenleistung von früheren Supercomputern hat. Mit den PCs, Desktop-, Notebook-, Tablet-Computern und Smartphones ist heute jedermann, der über die nötigen anwendungsbezogenen und computerspezifischen Kenntnisse verfügt, in der Lage, jederzeit computergesteuerte Prozesse ablaufen zu lassen. Zur Bedeutung der Digitalisierung für die Gesellschaft: Wenn man sich fragt, wieso der technologische Begriff der Digitalisierung plötzlich in der gesellschaftspolitischen Diskussion aufgetaucht ist, dann wird sehr bald klar: Ohne Digitalisierung wäre die umfassende „Computerisierung“ der Gesellschaft nicht möglich. Vom Personalwesen (Beispiel: digitaler Personalausweis) über die Wirtschaft und das Gesundheitswesen ist heute fast alles „durch-digitalisiert“ - oder man befindet sich gerade in der Phase der Digitalisierung. Dennoch gilt: Für die gesellschaftspolitischen Auswirkungen ist nicht die Digitalisierung verantwortlich sondern die Computerisierung. Erst der Computer und die Algorithmisierung machen aus den passiven Daten aktive Gestaltungselemente. Man sollte also lieber von Computerisierung statt von Digitalisierung sprechen, wenn es um gesellschaftliche Fragen geht.