Die Idee Gottes als „Prinzip aller Dinge“, das alles umfasst und die Welt in Bewegung setzt (OC IV, 216), ist nach Rousseau für den Menschen nicht fassbar, weil er sich in seinen Vorstellungen von der Vermittlung seiner Sinne nicht völlig befreien kann. Daher ist es dem Menschen unmöglich, eine wahre Vorstellung von Gott zu haben. Rousseau schlägt deshalb einen Perspektivenwechsel vor: Er verlässt die Ebene der „allgemeinen Vernunft“, d. h. die Ebene der Philosophie und des rationalen Denkens (die ihrerseits sehr begrenzt ist), und präsentiert im Émile das Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars: „Je mehr ich mich bemühe, sein unendliches Wesen zu schauen, desto weniger begreife ich es. Aber es besteht, und das genügt mir. Je weniger ich Gott begreife, desto mehr verehre ich ihn. Ich verneige mich vor ihm und sage: Wesen aller Wesen, ich bin, weil du bist. Ich erhebe mich zu meinem Quell, wenn ich unaufhörlich über mich nachdenke. Meine Vernunft gebrauche ich am würdigsten, wenn ich mich vor dir demütige. Es ist die Beglückung meines Geistes und das Entzücken meiner Schwäche, wenn ich mich von deiner Größe überwältigt fühle.“ (OC IV, 594; Rousseau 1989, 300).

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Natürliche Religion

  • Skadi S. Krause

摘要

Die Idee Gottes als „Prinzip aller Dinge“, das alles umfasst und die Welt in Bewegung setzt (OC IV, 216), ist nach Rousseau für den Menschen nicht fassbar, weil er sich in seinen Vorstellungen von der Vermittlung seiner Sinne nicht völlig befreien kann. Daher ist es dem Menschen unmöglich, eine wahre Vorstellung von Gott zu haben. Rousseau schlägt deshalb einen Perspektivenwechsel vor: Er verlässt die Ebene der „allgemeinen Vernunft“, d. h. die Ebene der Philosophie und des rationalen Denkens (die ihrerseits sehr begrenzt ist), und präsentiert im Émile das Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars: „Je mehr ich mich bemühe, sein unendliches Wesen zu schauen, desto weniger begreife ich es. Aber es besteht, und das genügt mir. Je weniger ich Gott begreife, desto mehr verehre ich ihn. Ich verneige mich vor ihm und sage: Wesen aller Wesen, ich bin, weil du bist. Ich erhebe mich zu meinem Quell, wenn ich unaufhörlich über mich nachdenke. Meine Vernunft gebrauche ich am würdigsten, wenn ich mich vor dir demütige. Es ist die Beglückung meines Geistes und das Entzücken meiner Schwäche, wenn ich mich von deiner Größe überwältigt fühle.“ (OC IV, 594; Rousseau 1989, 300).