Der Beitrag bietet einen neuen Ansatz zum Verständnis der Funktionsweise der Parodie im Drama der Frühen Neuzeit an. Am Beispiel von Joseph le Chaste (1601), einer Parodie auf das religiöse Lehrtheater der Zeit, wird die spezifische Problematik der Parodie im Theater in den Blick genommen: um in ihrer Affektlenkung erfolgreich zu sein und das pointierte Lachen zu erzeugen, muss sie im Moment der Aufführung funktionieren. Als Alternative zu strukturalistischen und intertextuellen Modellen wird daher vorgeschlagen, die dramatische Parodie im Bereich der Ästhetik der Präsenz zu verorten. Entscheidend hierfür ist der Begriff des ‚virtuellen‘ Bildes bei Henri Bergson, der zum einen eine Gleichzeitigkeit von Erinnerung und Sinneseindruck bezeichnet, und zum anderen Virtualität und Potenzialität – als Gegenwart, aus der Präsenz retrospektiv vorhersagbar wird – in ein produktives Verhältnis setzt.

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Parodie als virtuelles Bild im Theater der Frühen Neuzeit: Nicolas de Montreux, Joseph le Chaste

  • Christoph Söding

摘要

Der Beitrag bietet einen neuen Ansatz zum Verständnis der Funktionsweise der Parodie im Drama der Frühen Neuzeit an. Am Beispiel von Joseph le Chaste (1601), einer Parodie auf das religiöse Lehrtheater der Zeit, wird die spezifische Problematik der Parodie im Theater in den Blick genommen: um in ihrer Affektlenkung erfolgreich zu sein und das pointierte Lachen zu erzeugen, muss sie im Moment der Aufführung funktionieren. Als Alternative zu strukturalistischen und intertextuellen Modellen wird daher vorgeschlagen, die dramatische Parodie im Bereich der Ästhetik der Präsenz zu verorten. Entscheidend hierfür ist der Begriff des ‚virtuellen‘ Bildes bei Henri Bergson, der zum einen eine Gleichzeitigkeit von Erinnerung und Sinneseindruck bezeichnet, und zum anderen Virtualität und Potenzialität – als Gegenwart, aus der Präsenz retrospektiv vorhersagbar wird – in ein produktives Verhältnis setzt.