Auf die Aufgaben kommt es an
摘要
Seit dem sogenannten ‚PISA-Schock‘ des Jahres 2001 sind Kompetenz- und Outputorientierung als bildungspolitische und didaktische Leitkonzepte etabliert. Als Folge wird vielfach eine Krise des Literaturunterrichts beklagt, aus dem das eigentlich Literarische zunehmend verschwinde. Auch standardisierte und zentralisierte Prüfungsformate und -aufgaben stehen unter dem Verdacht, zu einer Entwertung von Literatur im Unterricht beizutragen. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass entsprechende Diagnosen übersehen, wie sehr fachliche und literaturdidaktische Erwägungen in zentralisierte Prüfungen eingehen. Er zeichnet am Beispiel Nordrhein-Westfalens nach, wie entsprechende Prüfungsaufgaben entwickelt werden, gibt einen Einblick in Debatten der 1970er Jahre, die die heutigen Diskussionen vorwegnehmen, und argumentiert mit Blick auf literarische Interpretation, dass literarästhetisches Verstehen und standardisierte und zentralisierte Prüfungen einander nicht ausschließen.