Musik und Heimat: Annäherungen und Grenzen
摘要
Gibt es eine musiklose Heimat? Oder heimatlose Musik? Wer diese Fragen stellt, darf vermutlich Unverständnis oder sogar Kopfschütteln erwarten. Zunächst vielleicht, weil schon der Begriff Heimat merkwürdig deutschtümelnd klingt: Darf man den noch verwenden? Und sodann, weil für viele Menschen doch kaum etwas so lebensprägend ist, so intensiv die Kindheits- und Jugendtage durchzieht wie die erinnerten Klänge von Musik. Sei es das Wiegenlied, das Mutter oder Vater zum Einschlafen gesungen haben, sei es das erste Mitsingen in Kindergarten und Schule oder vielleicht auch das jugendliche, aus tiefster Seele emporsteigende Einstimmen in den Refrain von Pop-Hymnen, weltumarmende Freiheitsgefühle, überschäumende Lebenslust und erste Verliebtheit inklusive: Musik hat diese überzeitliche emotionale Prägekraft, uns in die Kindheit und Jugend zurückzuführen und an vergangene Zugehörigkeiten zu erinnern. Sie kann Orte, Menschen und Erfahrungen vor dem inneren Ohr und Auge wieder aufleben lassen, zu unserem Leidwesen auch jene, die wir vielleicht vergessen möchten.