Die Konstruktion eines Nationaldichters und die Institutionalisierung der ukrainischen Literatur im Zarenreich
摘要
1846 gründete der Historiker Nikolaj Kostomarov mit dem Kulturaktivist Pantelejmon Kuliš und dem Dichter Taras Ševčenko die romantisch inspirierte Kyrill-Methodius-Bruderschaft. Kostomarov verfasste eine panslavistische Programmschrift und lehnte sich dabei in Ton und Inhalt an Adam Mickiewiczs Bücher des polnischen Volkes und der polnischen Pilgerschaft an. Durch Verrat flog der Zirkel auf. Kostomarov und Kuliš kamen mit administrativen Verbannungsstrafen davon, Ševčenko hingegen wurde als einfacher Soldat zwangsrekrutiert. Erst nach zehn Jahren endete diese Strafe. Zu Beginn der 1860er Jahre entfalteten Kostomarov und Kuliš eine fieberhafte literaturpolitische Tätigkeit, um den aus der Verbannung zurückgekehrten Ševčenko als ukrainischen Nationaldichter zu kanonisieren. Das wichtigste Instrument war dabei die „südrussische“ Zeitschrift Osnova, die 1861/62 in St. Petersburg erschien. Die Entwicklungsmöglichkeiten für die ukrainische Literatur im Zarenreich wurden aber 1863 durch das Valuev-Zirkular und 1876 durch den Emser Ukas empfindlich eingeschränkt.