Das „Schweigen“ der ukrainischen Literatur in der frühen Neuzeit
摘要
Nach der Zerstörung Kyjivs durch die Mongolen 1240 verschob sich das Zentrum der alten Rus’ nach Südwesten: L’viv wurde die Hauptstadt des galizisch-wolhynischen Fürstentums (und späteren Königreichs), das nach dem Aussterben der herrschenden Rurikidendynastie zwischen Polen und Litauen aufgeteilt wurde. Die ostslavischen Mönche und Beamten pflegten weiter ihr alt-ukrainisches und kirchenslavisches Schrifttum und erlernten dabei die Grundzüge der antiken und westeuropäischen Tradition. Der Einfluss der polnischen Sprache und Kultur verstärkte sich immer mehr. Das alte Kyjiver Erbe trat in den Hintergrund. Es dauerte fast zwei Jahrhunderte, bis eine neue Literatur entstand. Allerdings verschwand das Schrifttum nicht ganz. Es entstanden weiterhin historiographische Werke, Ritterromane und erbauliche Literatur, jedoch ohne literarische Innovationskraft.