Die Exilliteratur
摘要
Von einem politischen Exil einer größeren Anzahl ukrainischer Autoren und Intellektueller lässt sich nach dem Ersten Weltkrieg sprechen, als die Bolschewiken auf den Territorien des ehemaligen russischen Imperiums die Macht übernahmen und politische Repressionen und Hinrichtungen begannen. Es bildeten sich Exilzentren in Mitteleuropa, vor allem in der Tschechoslowakei, Polen und Deutschland. Besonders die Zwischenkriegs-Tschechoslowakei wurde zum Mittelpunkt ukrainischer Kultur, Literatur und Wissenschaft mit gut funktionierenden ukrainischen Bildungsinstitutionen und Verlagen. Mit dem Vorrücken der Roten Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gingen viele ukrainische Autoren und Intellektuelle nach Westen, besonders in die amerikanischen Besatzungszonen von Deutschland und Österreich. Dort entstanden ab 1945 Exilzentren in den Flüchtlingslagern (DP [Displaced persons]-Camps). Die bedeutendste Gruppe von Intellektuellen und Autoren war in jener Zeit die Vereinigung MUR (Mystecʼkyj Ukrajinsʼkyj Ruch, Ukrainische Kunstbewegung). Aufgrund der schwierigen ökonomischen Verhältnisse in Deutschland siedelten ab den 1950er-Jahren zahlreiche ukrainische Autoren nach Nordamerika über, oft in Ballungszentren früherer wirtschaftlicher Migrationswellen aus Osteuropa. Die wichtigste Vereinigung ukrainischer Exilautoren Nordamerikas war „Slovo“ mit eigenen Publikationen und einem weit gespannten Netz von Filialen in Amerika, Europa und Australien und regelmäßigen Kongressen. Mit den veränderten politischen Bedingungen ab der 1990er-Jahre verlor „Slovo“ an Bedeutung.