Gattungsgeschichte II: Die Phasen
摘要
Zwei Drittel der deutschen höfischen Epen aus der Zeit zwischen 1170 und 1220 basieren auf französischen Vorlagen (s. Tab. 4.1). Die Rezeption erfolgte selektiv. Aus der Fülle der französischen Heldenepen (Chansons de geste) wurden nur zwei Werke übernommen: die Chanson de Roland und die Chanson d’Aliscans. Von den Antikenromanen fanden der Alexander-, der Troja- und der Eneasroman den Weg ins Deutsche, nicht aber der Thebenroman. Von den Artusromanen Chrétiens de Troyes wurden der Erec, Yvain und Perceval adaptiert, nicht aber der Lancelot (der deutsche Lanzelet beruht auf anderen Vorlagen) und zunächst nicht der Cligès (überliefert sind Fragmente einer späthöfischen Bearbeitung Ulrichs von Türheim, s. Abschn. 4.4). Der Titurel ist eine Erfindung Wolframs von Eschenbach, knüpft aber an die Figuren- und Handlungskonstellation des Perceval bzw. Parzival an. Ohne französische Vorbilder sind allein die fünf Brautwerbungsepen, das Nibelungenlied und die Nibelungenklage sowie Hartmanns von Aue Novelle Der arme Heinrich.