Clara S., Wolken.Heim., Totenauberg, Ulrike Maria Stuart und Am Königsweg. Diesen fünf Stücken habe ich mich unter der Perspektive einer Rückkehr des Geschichtstheaters zugewendet – einer Gattung, die man im Zuge des postdramatischen Theaters, des linguistic turns und der Posthistoire lange tot geglaubt hatte (siehe Abschn.  3.3 ). Diese (und einige weitere) Stücke Elfriede Jelineks sind aber, so die Ausgangsthese der vorliegenden Arbeit, in einer Linie mit dem historischen Drama zum einen und der geschichtsphilosophischen Denktradition zum anderen zu verstehen. Ich und Geschichte und das Verhältnis von Ich und Geschichte stehen auch am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiter zur Disposition. Mit der Frage nach Verantwortung vor und in der Geschichte lässt sich nicht brechen. Sie sollte weder zur Plattitüde werden, die im Geschichtsunterricht immer wieder formelhaft beantwortet wird, noch darf sie resignativ aufgegeben werden. Was wäre ein Theater jenseits der Resignation? Wer Stücke über politische Verantwortung in und aus der Geschichte heraus schreibt, muss sich auch einem Ich stellen, das sich verantwortlich für etwas fühlen kann. Jelinek erkundet ein Subjekt in der Krise und wählt dabei verschiedene geistes- und literaturgeschichtliche Zugänge. Das Ich behauptet und verleugnet sich immer wieder selbst (Adorno). Die Figuren und Sprecher:innen geraten in Konflikte mit sich selbst, mit ihren Möglichkeiten und innerhalb der Diskurse, in denen sie sich verstehen und in denen sie verstanden werden. „Ich“ sagen zu können, bleibt dabei ein (auch poetologischer) Sehnsuchtspunkt.

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Fazit

  • Anna Lenz

摘要

Clara S., Wolken.Heim., Totenauberg, Ulrike Maria Stuart und Am Königsweg. Diesen fünf Stücken habe ich mich unter der Perspektive einer Rückkehr des Geschichtstheaters zugewendet – einer Gattung, die man im Zuge des postdramatischen Theaters, des linguistic turns und der Posthistoire lange tot geglaubt hatte (siehe Abschn.  3.3 ). Diese (und einige weitere) Stücke Elfriede Jelineks sind aber, so die Ausgangsthese der vorliegenden Arbeit, in einer Linie mit dem historischen Drama zum einen und der geschichtsphilosophischen Denktradition zum anderen zu verstehen. Ich und Geschichte und das Verhältnis von Ich und Geschichte stehen auch am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiter zur Disposition. Mit der Frage nach Verantwortung vor und in der Geschichte lässt sich nicht brechen. Sie sollte weder zur Plattitüde werden, die im Geschichtsunterricht immer wieder formelhaft beantwortet wird, noch darf sie resignativ aufgegeben werden. Was wäre ein Theater jenseits der Resignation? Wer Stücke über politische Verantwortung in und aus der Geschichte heraus schreibt, muss sich auch einem Ich stellen, das sich verantwortlich für etwas fühlen kann. Jelinek erkundet ein Subjekt in der Krise und wählt dabei verschiedene geistes- und literaturgeschichtliche Zugänge. Das Ich behauptet und verleugnet sich immer wieder selbst (Adorno). Die Figuren und Sprecher:innen geraten in Konflikte mit sich selbst, mit ihren Möglichkeiten und innerhalb der Diskurse, in denen sie sich verstehen und in denen sie verstanden werden. „Ich“ sagen zu können, bleibt dabei ein (auch poetologischer) Sehnsuchtspunkt.