Den Begriff Gegenübertragung prägte Sigmund Freud 1909 im Briefwechsel mit Carl Gustav Jung. Dieser hatte von 1908 bis 1909 eine sexuelle Beziehung mit Sabina Spielrein, die seit 1904 seine Patientin war, zunächst wegen einer psychotischen Episode in der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich, später in seiner ambulanten Praxis. Danach hatte er weitere sexuelle Beziehungen zu seinen Patientinnen, wie etwa zu Antonia Wolff (vgl. Krutzenbichler & Essler, 2002). Sowohl Sabina Spielrein als auch Jungs Frau Emma Jung wandten sich an Freud, um ihn über die Liebesbeziehung zu informieren, der erschrocken darauf reagierte. Er führte den Begriff der Gegenübertragung ein, mit dem er alle Gefühle und Impulse meinte, die beim Psychoanalytiker von seinen Patientinnen ausgelöst werden. Damit stellte die Gegenübertragung das Gegenteil von Freuds Konzept dar, dass der Psychoanalytiker ein reiner Spiegel für die Patientinnen sein solle, der nur ihr Erleben widerspiegelt, sich selbst aber völlig unemotional, d. h. abstinent verhält, nichts Eigenes spürt, geschweige denn zeigt. Deshalb soll er auch nicht glauben, dass Liebesgefühle von Patientinnen ihm gelten würden, weil es Gefühle sind, die eigentlich auf ihre Eltern, etwa ihren Vater, bezogen sind. Sie werden nur auf ihn übertragen, weil die Patientin im Spiegel nicht den Psychoanalytiker als Mensch und Mann, sondern ihren Vater sieht. Freud (1915, S. 308) ermahnte seine Kollegen, sich nicht zu viel einzubilden auf die Verliebtheit einer Patientin:

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Gegenübertragungswiderstände

  • Thomas Abel

摘要

Den Begriff Gegenübertragung prägte Sigmund Freud 1909 im Briefwechsel mit Carl Gustav Jung. Dieser hatte von 1908 bis 1909 eine sexuelle Beziehung mit Sabina Spielrein, die seit 1904 seine Patientin war, zunächst wegen einer psychotischen Episode in der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich, später in seiner ambulanten Praxis. Danach hatte er weitere sexuelle Beziehungen zu seinen Patientinnen, wie etwa zu Antonia Wolff (vgl. Krutzenbichler & Essler, 2002). Sowohl Sabina Spielrein als auch Jungs Frau Emma Jung wandten sich an Freud, um ihn über die Liebesbeziehung zu informieren, der erschrocken darauf reagierte. Er führte den Begriff der Gegenübertragung ein, mit dem er alle Gefühle und Impulse meinte, die beim Psychoanalytiker von seinen Patientinnen ausgelöst werden. Damit stellte die Gegenübertragung das Gegenteil von Freuds Konzept dar, dass der Psychoanalytiker ein reiner Spiegel für die Patientinnen sein solle, der nur ihr Erleben widerspiegelt, sich selbst aber völlig unemotional, d. h. abstinent verhält, nichts Eigenes spürt, geschweige denn zeigt. Deshalb soll er auch nicht glauben, dass Liebesgefühle von Patientinnen ihm gelten würden, weil es Gefühle sind, die eigentlich auf ihre Eltern, etwa ihren Vater, bezogen sind. Sie werden nur auf ihn übertragen, weil die Patientin im Spiegel nicht den Psychoanalytiker als Mensch und Mann, sondern ihren Vater sieht. Freud (1915, S. 308) ermahnte seine Kollegen, sich nicht zu viel einzubilden auf die Verliebtheit einer Patientin: