Die Gewissensinstanz unserer Patientinnen, ihr Über-Ich, ist häufig deutlich strenger, verbietender oder entwertender als bei anderen Menschen. Es verbietet dann jede Art von positiver Veränderung, von Freude, Stolz oder eigenem Willen. Sobald die Patientin eine kleiner Verbesserung erreicht, greift das Über-Ich ein und verbietet es. Das Über-Ich löst vor allem Schuldgefühle aus. Das Ich-Ideal enthält das Bild, wie wir gern sein würden, um von uns selbst und von anderen anerkannt und vielleicht sogar bewundert zu werden. Ist das Bild der Patientin von sich selbst sehr weit vom Ich-Ideal entfernt, erlebt sie Scham und Minderwertigkeitsgefühle. Bei vielen Patientinnen ist das Ich-Ideal so überhöht, dass es selbst bei größter Anstrengung nicht erreichbar wäre. Es belächelt dann jede Veränderung als klein, unbedeutend und lächerlich, sodass die Patientin schließlich alle Anstrengungen unterlässt, sich zu verändern. Das Ich-Ideal belächelt auch die Therapeutin als einfältiges, anspruchsloses Wesen, falls diese sich über eine kleine Veränderung bei der Patientin freut oder sie würdigt. Dadurch wird jede Veränderung im Keim erstickt.

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Schuld und Scham: Über-Ich- und Ich-Ideal-Widerstand

  • Thomas Abel

摘要

Die Gewissensinstanz unserer Patientinnen, ihr Über-Ich, ist häufig deutlich strenger, verbietender oder entwertender als bei anderen Menschen. Es verbietet dann jede Art von positiver Veränderung, von Freude, Stolz oder eigenem Willen. Sobald die Patientin eine kleiner Verbesserung erreicht, greift das Über-Ich ein und verbietet es. Das Über-Ich löst vor allem Schuldgefühle aus. Das Ich-Ideal enthält das Bild, wie wir gern sein würden, um von uns selbst und von anderen anerkannt und vielleicht sogar bewundert zu werden. Ist das Bild der Patientin von sich selbst sehr weit vom Ich-Ideal entfernt, erlebt sie Scham und Minderwertigkeitsgefühle. Bei vielen Patientinnen ist das Ich-Ideal so überhöht, dass es selbst bei größter Anstrengung nicht erreichbar wäre. Es belächelt dann jede Veränderung als klein, unbedeutend und lächerlich, sodass die Patientin schließlich alle Anstrengungen unterlässt, sich zu verändern. Das Ich-Ideal belächelt auch die Therapeutin als einfältiges, anspruchsloses Wesen, falls diese sich über eine kleine Veränderung bei der Patientin freut oder sie würdigt. Dadurch wird jede Veränderung im Keim erstickt.