Der Artikel beabsichtigt zu zeigen, dass bereits Kierkegaards Mitschrift der Berliner Schelling-Vorlesung von 1841/42 eine eigene Stoßrichtung des Dänen erkennen lässt, die nicht zuletzt der parallel gehörten Vorlesung des Theologen P.K. Marheineke ihren Anstoß verdanken dürfte. Ganz in diesem Sinne werden 1844 in „Der Begriff Angst“ Abweichungen gegenüber Schelling explizit benannt. Kierkegaard rezipiert hier zwei zeitlich weit auseinanderliegende Arbeiten Schellings und verknüpft diese zugleich – über die Konzepte von Wirklichkeit und Sünde – thematisch miteinander, nämlich die Berliner Schelling-Vorlesung von 1841/42 und die „Freiheitsschrift“ von 1809. Während Kierkegaard anhand der Sünde auf die Wirklichkeit des je Einzelnen in seiner radikalen Einzelheit fokussiert und sich darin als der modernere Autor erweist, thematisiert Schelling gerade 1809/10 die Rückbezogenheit des Einzelnen in seiner unverfügbaren Entscheidungswirklichkeit auf ein naturphilosophisch zu reflektierendes Ganzes, was ihm seinerseits eine ungebrochene Aktualität im Blick auf gegenwärtige naturethische Debatten garantiert.

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Die Freiheit und das Christliche. Kierkegaards Anknüpfung an Schelling

  • Philipp Höfele

摘要

Der Artikel beabsichtigt zu zeigen, dass bereits Kierkegaards Mitschrift der Berliner Schelling-Vorlesung von 1841/42 eine eigene Stoßrichtung des Dänen erkennen lässt, die nicht zuletzt der parallel gehörten Vorlesung des Theologen P.K. Marheineke ihren Anstoß verdanken dürfte. Ganz in diesem Sinne werden 1844 in „Der Begriff Angst“ Abweichungen gegenüber Schelling explizit benannt. Kierkegaard rezipiert hier zwei zeitlich weit auseinanderliegende Arbeiten Schellings und verknüpft diese zugleich – über die Konzepte von Wirklichkeit und Sünde – thematisch miteinander, nämlich die Berliner Schelling-Vorlesung von 1841/42 und die „Freiheitsschrift“ von 1809. Während Kierkegaard anhand der Sünde auf die Wirklichkeit des je Einzelnen in seiner radikalen Einzelheit fokussiert und sich darin als der modernere Autor erweist, thematisiert Schelling gerade 1809/10 die Rückbezogenheit des Einzelnen in seiner unverfügbaren Entscheidungswirklichkeit auf ein naturphilosophisch zu reflektierendes Ganzes, was ihm seinerseits eine ungebrochene Aktualität im Blick auf gegenwärtige naturethische Debatten garantiert.