Madame de Genlis’ Théâtre à l’usage des jeunes personnes in einer imaginären ‚Damenbibliothek‘. Ein Beispiel für den französisch-deutschen Kulturtransfer
摘要
Johann Georg Heinzmann empfiehlt 1780 in seinem Entwurf zu einer Damenbibliothek Christian Felix Weißes Erziehungstheater für junge Frauenzimmer, eine Übersetzung des 1779 erschienenen Théâtre à l’usage des jeunes personnes von Madame de Genlis. Die Theaterstücke der Erzieherin im Dienste des Duc d’Orléans erheben den Anspruch, ein neues „genre de Pièces“ zu begründen, das ausschließlich für Kinder geschrieben ist. In einfach strukturierten Szenen werden nachahmungswerte Beispiele für tugendhaftes Verhalten auf die Bühne gebracht. Im Mittelpunkt stehen die Ausbildung der Sensibilität und die Warnung vor falscher Empfindsamkeit. Weiße, ein routinierter Übersetzer, folgt weitgehend seiner Vorlage, nimmt sich aber die Freiheit, mit Rücksicht auf das deutsche Publikum behutsam in Wortwahl und Semantik einzugreifen. Die Lektüreempfehlung Heinzmanns für die Einrichtung einer spezifischen Büchersammlung für Frauen gehört zu dem im 18. Jahrhundert beliebten Typ der virtuellen Bibliothek.