Albert Bitzius versah alle seine Texte, seien dies Briefe, Predigten, publizistische oder amtliche Schriften oder fiktionale Erzählwerke, in stark variierender Dosierung mit berndeutschen Einsprengseln. Nur in den literarischen Werken setzt der Dialekt mehr als bloß punktuelle rhetorische Akzente und kann ganze Sätze, ja ganze Abschnitte umfassen. Lediglich in einigen wenigen Kalendergeschichten experimentiert Bitzius mit fast reinem (Muschg 1931, 441) Berndeutsch (Berger-Guigon 2012, 66). Das überraschungsreiche Hin und Her zwischen hochdeutscher Basissprache und Dialekt, das schon in seinem literarischen Erstling, dem Bauern-Spiegel, voll ausgebildet war, blieb die ihm gemäße Form, „eine gewaltige Differenzierung der klanglichen und bildlichen Nuancen“ (Fehr 1986, 27). Damit kann sein Werk nicht der Mundartliteratur zugerechnet werden, obwohl es auf diese einen großen Einfluss ausübte und dazu beitrug, dass sich die auf Berndeutsch geschriebene Literatur besonders reich entfaltete (Ris 1987). Zwar werden regionale Sprachvarietäten gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in der deutschen Literatur mehr und mehr salonfähig, wie etwa die Erfolge des Wiener Volksstücks auch außerhalb Wiens zeigen (Sengle 1971, 394–397). Wegen eines viel höheren Grades an Künstlichkeit bleibt Gotthelfs Sprachmix aber eine Ausnahmeerscheinung. Er ist – anders als der des Wiener Volksstücks – im Sprachalltag der Schweiz nicht vorgebildet, da hier der Dialekt und die Hochsprache (jedenfalls vor dem elektronischen Zeitalter) in medialer Diglossie als Sprache der mündlichen Kommunikation aller Stände bzw. als Sprache des Schriftverkehrs je ein gesondertes Leben führen und nicht ineinanderfließen.

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Dialekt und Hochsprache

  • Dominik Müller

摘要

Albert Bitzius versah alle seine Texte, seien dies Briefe, Predigten, publizistische oder amtliche Schriften oder fiktionale Erzählwerke, in stark variierender Dosierung mit berndeutschen Einsprengseln. Nur in den literarischen Werken setzt der Dialekt mehr als bloß punktuelle rhetorische Akzente und kann ganze Sätze, ja ganze Abschnitte umfassen. Lediglich in einigen wenigen Kalendergeschichten experimentiert Bitzius mit fast reinem (Muschg 1931, 441) Berndeutsch (Berger-Guigon 2012, 66). Das überraschungsreiche Hin und Her zwischen hochdeutscher Basissprache und Dialekt, das schon in seinem literarischen Erstling, dem Bauern-Spiegel, voll ausgebildet war, blieb die ihm gemäße Form, „eine gewaltige Differenzierung der klanglichen und bildlichen Nuancen“ (Fehr 1986, 27). Damit kann sein Werk nicht der Mundartliteratur zugerechnet werden, obwohl es auf diese einen großen Einfluss ausübte und dazu beitrug, dass sich die auf Berndeutsch geschriebene Literatur besonders reich entfaltete (Ris 1987). Zwar werden regionale Sprachvarietäten gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in der deutschen Literatur mehr und mehr salonfähig, wie etwa die Erfolge des Wiener Volksstücks auch außerhalb Wiens zeigen (Sengle 1971, 394–397). Wegen eines viel höheren Grades an Künstlichkeit bleibt Gotthelfs Sprachmix aber eine Ausnahmeerscheinung. Er ist – anders als der des Wiener Volksstücks – im Sprachalltag der Schweiz nicht vorgebildet, da hier der Dialekt und die Hochsprache (jedenfalls vor dem elektronischen Zeitalter) in medialer Diglossie als Sprache der mündlichen Kommunikation aller Stände bzw. als Sprache des Schriftverkehrs je ein gesondertes Leben führen und nicht ineinanderfließen.