Russische Literaten haben seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, also bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt, Kenntnis von Wagner und seinen Theorien zum Musikdrama, zu einem „Kunstwerk der Zukunft“, gehabt und sich darüber auch gelegentlich geäußert. Mit einer Ausnahme, dem Musikliebhaber und Schriftsteller Wladimir Odojewski nämlich, auf den weiter oben bereits ausführlicher eingegangen wurde, ist dabei ein Grundtenor festzustellen, der zwischen distanzvoller Reserviertheit und vollständiger Ablehnung schwankte. Da wären in erster Linie Namen wie Alexander Herzen, Iwan Turgenjew, Fjodor Dostojewski und Leo Tolstoi zu nennen. Und auf ihre Haltung zu Wagner, die bis zu einer ausgeprägten Wagnerphobie führte, sei im Folgenden etwas ausführlicher eingegangen, denn so, wie sie sich privat und öffentlich über den deutschen Komponisten äußerten, erregten sie in Russland Aufmerksamkeit, teilweise gar erhebliches Aufsehen. Zwar hatte ihr kritisches Wagner-Verständnis keine unmittelbaren Folgen auf die russische Wagnerrezeption in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn diese nahm, wie oben dargestellt, denn doch einen rasanten Verlauf, aber sie sind markante Beispiele für das große Interesse, das Wagner eben nicht nur in der russischen Musikwelt, sondern überhaupt in der kulturellen Öffentlichkeit des Landes erfuhr.

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Wagner in der russischen Literatur – Russische Dichter hören Wagner

  • Eckart Kröplin

摘要

Russische Literaten haben seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, also bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt, Kenntnis von Wagner und seinen Theorien zum Musikdrama, zu einem „Kunstwerk der Zukunft“, gehabt und sich darüber auch gelegentlich geäußert. Mit einer Ausnahme, dem Musikliebhaber und Schriftsteller Wladimir Odojewski nämlich, auf den weiter oben bereits ausführlicher eingegangen wurde, ist dabei ein Grundtenor festzustellen, der zwischen distanzvoller Reserviertheit und vollständiger Ablehnung schwankte. Da wären in erster Linie Namen wie Alexander Herzen, Iwan Turgenjew, Fjodor Dostojewski und Leo Tolstoi zu nennen. Und auf ihre Haltung zu Wagner, die bis zu einer ausgeprägten Wagnerphobie führte, sei im Folgenden etwas ausführlicher eingegangen, denn so, wie sie sich privat und öffentlich über den deutschen Komponisten äußerten, erregten sie in Russland Aufmerksamkeit, teilweise gar erhebliches Aufsehen. Zwar hatte ihr kritisches Wagner-Verständnis keine unmittelbaren Folgen auf die russische Wagnerrezeption in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn diese nahm, wie oben dargestellt, denn doch einen rasanten Verlauf, aber sie sind markante Beispiele für das große Interesse, das Wagner eben nicht nur in der russischen Musikwelt, sondern überhaupt in der kulturellen Öffentlichkeit des Landes erfuhr.