Naturheilkunde contra Bakteriologie
摘要
Mit dem von ihm 1888 übernommenen Sanatorium „Weißer Hirsch“ bei Dresden, das er zu Weltruhm führte, war der Arzt Dr. Heinrich Lahmann (1860–1905) ein herausragender Vertreter der Naturheilkunde in Deutschland. Sein Sanatorium war viele Jahrzehnte ein Treffpunkt von Prominenten, die Erholung und Heilung suchten. Von Thomas Mann bis Kurt Tucholsky, von Zarah Leander über Heinz Rühmann bis Jopi Heesters reicht die Liste der illustren Gäste. Lahmann gehörte zu den ersten, die gleich im Jahr 1890 die experimentellen Injektionen mit Kochs Tuberkulin als bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls gefährlich ablehnten. Lahmann propagierte demgegenüber eine gesunde Lebensführung, behandelte seine Patienten und Kurgäste mit Licht- und Luftkuren und verordnete Wasseranwendungen. Dass der Name Dr. Lahmann ebenso wie der seines Sanatoriums „Weißer Hirsch“ heute in Vergessenheit geraten sind, ist Ausdruck der massiven Verdrängung von Naturheilmethoden aus dem ärztlichen Denken und Handeln. Dafür steht namentlich der sog. Flexner-Report, der 1910 von der Carnegie-Stiftung publiziert wurde und gemeinhin als Meilenstein einer wissenschaftsorientierten modernen Medizinerausbildung gilt. Seine Folge war aber vor allem die Zurückdrängung aller nichtbiochemisch orientierten Methoden und die Schließung vieler Ärzteausbildungszentren für Osteopathie, Homöopathie, Naturheilverfahren in den USA. Eine Entwicklung, die fortan auch in anderen Ländern zu beobachten war.