Einleitung: Das goldene Zeitalter der Medizin auf dem Prüfstand
摘要
In den Lehrbüchern der Medizingeschichte gilt Robert Koch (1843–1910) als Pionier der Bakteriologie. Koch errang Weltgeltung als „Bekämpfer des Todes“. Dass Letzteres auch der Titel eines NS-Propaganda-Filmes über Koch aus dem Jahr 1939 war, ist heute kaum mehr geläufig. Auch weiß heute kaum noch jemand, dass die Zweifel an den Segnungen des bakteriologischen Paradigmas schon zu Kochs Lebzeiten überaus deutlich vorgetragen wurden: Von kompetenten Medizinern, die von vornherein davon ausgingen, dass Kochs „Tuberkulin“ ein absoluter Fehlschlag werden würde. Womit sie recht behielten. Dabei hatte Koch 1890 auf großer Bühne behauptet, dass sein Mittel Tuberkulose heilen könne – und sich davon beträchtliche finanzielle Gewinne versprochen. Auch die zweifelhaften Expeditionen der Kolonialmedizin, als deren berühmtester Vertreter Robert Koch im heutigen Tansania Hunderte von Afrikanern mit Arsen experimentell gegen die Schlafkrankheit behandelt hatte, werden längst medizinethisch scharf verurteilt. Robert Kochs Weltruhm, trotz fehlender therapeutischer Erfolge und trotz unstrittiger ethischer Grenzüberschreitungen, ist erklärungsbedürftig. Ein vielleicht entscheidendes Element für den Erfolg von Kochs bakteriologischem Paradigma dürfte schon damals die Ausschaltung, Ausgrenzung und Diffamierung aller kritischen Stimmen gewesen sein.