Die Bauhaus-Schule hatte zentralen Einfluss auf die Bildwelten der Weimarer Republik und diese um reduzierte und an Funktionalität orientierten Ästhetiken bereichert. Daher ziehe ich für meine Analysen der zeitgeistigen Erfahrungen der szenischen Bildwelten von Pirchans Tell- und von Dülbergs Holländer-Ausstattungen das Bauhaus als Stellvertreter der Kunst der Moderne heran. Denn um die Szenografien in ihrer Vielgestaltigkeit erfassen zu können, ist es meines Erachtens notwendig, sie nicht lediglich theaterhistorisch, sondern in ihren ästhetischen Verflechtungen mit der Kunst – zumal mit der Angewandten Kunst – der Weimarer Republik zu erörtern. Das Bauhaus bildet eine produktive Ausgangsposition: Zum einen wurde kaum eine andere künstlerische Strömung der Weimarer Republik so ausführlich erforscht und aufgrund des Bauhaus-Jubiläums im Jahr 2019 um Neuperspektivierungen ergänzt. Zum anderen bündelte sich im Bauhaus ein breites Verständnis von künstlerischen Prozessen, bei denen die Grenzen zwischen Freier und Angewandter Kunst verschwammen. Design und Kunsthandwerk wurden infolgedessen verstärkt als Kunst und nicht mehr nur als Gebrauchsgegenstände wahrgenommen. Aufgrund solch einer neuen Aufmerksamkeit für Angewandte Kunst gewann meines Erachtens ebenso die Szenografie – im Gegensatz zur Kunst des Dramas wurde die Bühnenausstattung als Angewandte Kunst verstanden – an Eigenständigkeit und wurde verstärkt als autarkes theaterästhetisches Mittel betrachtet, das nicht mehr nur die fiktiven Welten der Dramen abzubilden hatte, sondern sie in eine eigene Formensprache übersetzte. Die beiden Ausstatter, die im Mittelpunkt der folgenden Kapitel stehen, waren in verschiedenen Bereichen Angewandter Kunst tätig: Dülberg verantwortete beispielswiese die Weberei und das Atelier an der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst Weimar unter Leitung Otto Bartnings. Pirchan war vor seinem Umzug nach Berlin in München vor allem als Plakatgestalter und Gebrauchsgrafiker tätig.

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Zeit & Kunst in der Moderne II: Raumdenken am Bauhaus

  • Sascha Förster

摘要

Die Bauhaus-Schule hatte zentralen Einfluss auf die Bildwelten der Weimarer Republik und diese um reduzierte und an Funktionalität orientierten Ästhetiken bereichert. Daher ziehe ich für meine Analysen der zeitgeistigen Erfahrungen der szenischen Bildwelten von Pirchans Tell- und von Dülbergs Holländer-Ausstattungen das Bauhaus als Stellvertreter der Kunst der Moderne heran. Denn um die Szenografien in ihrer Vielgestaltigkeit erfassen zu können, ist es meines Erachtens notwendig, sie nicht lediglich theaterhistorisch, sondern in ihren ästhetischen Verflechtungen mit der Kunst – zumal mit der Angewandten Kunst – der Weimarer Republik zu erörtern. Das Bauhaus bildet eine produktive Ausgangsposition: Zum einen wurde kaum eine andere künstlerische Strömung der Weimarer Republik so ausführlich erforscht und aufgrund des Bauhaus-Jubiläums im Jahr 2019 um Neuperspektivierungen ergänzt. Zum anderen bündelte sich im Bauhaus ein breites Verständnis von künstlerischen Prozessen, bei denen die Grenzen zwischen Freier und Angewandter Kunst verschwammen. Design und Kunsthandwerk wurden infolgedessen verstärkt als Kunst und nicht mehr nur als Gebrauchsgegenstände wahrgenommen. Aufgrund solch einer neuen Aufmerksamkeit für Angewandte Kunst gewann meines Erachtens ebenso die Szenografie – im Gegensatz zur Kunst des Dramas wurde die Bühnenausstattung als Angewandte Kunst verstanden – an Eigenständigkeit und wurde verstärkt als autarkes theaterästhetisches Mittel betrachtet, das nicht mehr nur die fiktiven Welten der Dramen abzubilden hatte, sondern sie in eine eigene Formensprache übersetzte. Die beiden Ausstatter, die im Mittelpunkt der folgenden Kapitel stehen, waren in verschiedenen Bereichen Angewandter Kunst tätig: Dülberg verantwortete beispielswiese die Weberei und das Atelier an der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst Weimar unter Leitung Otto Bartnings. Pirchan war vor seinem Umzug nach Berlin in München vor allem als Plakatgestalter und Gebrauchsgrafiker tätig.