Gebet und Gebetserhörung? Zur Situationsabhängigkeit der Anrede in Goethes Nachtliedern
摘要
Die Faszinationsgeschichte der beiden 1776 und 1780 entstandenen Gedichte, die heute als Wandrers Nachtlied und Ein gleiches bekannt sind, ist von legendärem Ausmaß. Zusammengestellt hat Goethe sie 1815 für eine Ausgabe seiner Gedichte und für seine Werkausgabe bei Cotta. Der Beitrag prüft das einflussreiche Deutungsmodell, demzufolge die beiden Nachtlieder sich zueinander wie Gebet und Gebetserhörung verhalten, durch eine Gegenüberstellung des Buchseiten-Ensembles von 1815 mit der früheren Überlieferung der beiden Gedichte. Dabei ist die Frage leitend, wie die Situationsabhängigkeit der Anrede in den beiden Gedichten sich zu ihrer Migration durch verschiedene Publikationskontexte verhält.