Diskussionsbericht Sektion II: Geltung, Wahrheit, Ursprung. Lyrischer Diskurs und die (Be-)Deutung der Welt
摘要
Mit David Neltings Vorlage eröffnet ein Beitrag die Sektion, der ausgehend von drei Beispielen der italienischen Minnelyrik des Duecento vorstellt, wie Dichtung Fiktionalitätsbewusstsein und außerpoetische Verbindlichkeitsansprüche unterschiedlich verhandelt. Er zeigt, wie es beim räumlichen Transfer trobadoresker Diskurstraditionen von der Provence über Sizilien nach Florenz zugleich zu einer Austauschbewegung religiöser Topoi in den drei Fallbeispielen kommt. Giacomo da Lentini verneint „im profanen Spiel mit dem Sakralen“ (Nelting) eine extraliterarische Sinnstiftung, Guido Cavalcanti hingegen vollzieht eine Spiritualisierung der höfischen Liebeslehren, wobei der Seelenadel (gentilezza) in Konkurrenz zur christlichen Heilsethik tritt, und Dante versucht einer in neuer Weise doktrinal gefassten Dichtung außerpoetische, auf christlicher Ethik fußende Verbindlichkeit zu sichern.