Diese beiden Stichworte aus dem Ausschreibungstext zur zweiten Sektion des Symposions haben mich dazu angeregt, die späte Hymnendichtung Friedrich Hölderlins (1770−1843) als Beispiel für die hier angesprochene Wechselwirkung zu untersuchen. Die im Titel zitierten Verszeilen aus dem Gedicht Patmos (1803) deuten den Zusammenhang an: Nach einer Phase der aufklärerischen Schriftkritik war der Gott der christlichen Überlieferung mit dem Verstand nur mehr ‚schwer zu fassen‘; und doch scheint er nah, insofern das, was in Begriffen nicht zu fassen ist, in der Dichtung zum Ausdruck gebracht wird. Im Spätwerk Hölderlins findet sich eine Verschränkung von Poesie und Reflexion, die einzigartig ist und erst spät als modellbildend für die Moderne erkannt wurde.

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„Nah ist / Und schwer zu fassen der Gott.“ Friedrich Hölderlins Hymne Patmos in den philosophisch-theologischen Kontexten der Zeit um 1800

  • Friedrich Vollhardt

摘要

Diese beiden Stichworte aus dem Ausschreibungstext zur zweiten Sektion des Symposions haben mich dazu angeregt, die späte Hymnendichtung Friedrich Hölderlins (1770−1843) als Beispiel für die hier angesprochene Wechselwirkung zu untersuchen. Die im Titel zitierten Verszeilen aus dem Gedicht Patmos (1803) deuten den Zusammenhang an: Nach einer Phase der aufklärerischen Schriftkritik war der Gott der christlichen Überlieferung mit dem Verstand nur mehr ‚schwer zu fassen‘; und doch scheint er nah, insofern das, was in Begriffen nicht zu fassen ist, in der Dichtung zum Ausdruck gebracht wird. Im Spätwerk Hölderlins findet sich eine Verschränkung von Poesie und Reflexion, die einzigartig ist und erst spät als modellbildend für die Moderne erkannt wurde.