Anthropologie der technischen Vernunft. Zum Verhältnis von Mängelkonstitution, Kultur und Gestaltung
摘要
Die Metapher des Mangels bildet für die Konstitution des Menschen als einer symbolischen Spezies die Grundlage einer kulturellen Selbstermächtigung, wie es in verschiedenen anthropologischen Welt- und Kulturentwürfen versucht wurde (z. B. bei Arnold Gehlen, Johann Gottfried Herder, Max Scheler etc.). Dabei trifft ebenfalls eine biologisch begründete Fundamentalkritik die Metaphorik des Mängelwesens ‚Mensch‘, denn wieso konnte der homo sapiens als riskiertes Lebewesen überhaupt evolutionär überleben und sich soziokulturell über Millionen von Jahren entwickeln und existenziell halten, wenn doch der Mangel seine biologisch-evolutionäre Physis und Psyche so vollumfänglich bestimmt? Vielleicht sollte, so die These dieser Auseinandersetzung, der Begriff des Mangels nicht länger über die Determinante eines homo mancus negativ konfiguriert, sondern vielmehr über die Perspektive eines homo cultus rekonfiguriert werden, dessen Potenzial der lebensweltlichen Vergegenständlichung gerade zum Beleg einer Wahrnehmung auf Basis einer technischen Vernunft wird, die spezifisch ästhetische Praktiken zwischen Design, Kunst und Handwerk ermöglicht.