Zum Selbstverständnis der USA gehört bis heute, dass US-amerikanische Präsidenten, gleichgültig ob Republikaner oder Demokrat, sich zugleich als „Führer der freien Welt“ inszenieren. Erst unter der ersten Präsidentschaft Trump schien diese Grundprämisse erstmals insofern infrage gestellt, als für viele Beobachtende diese „freie Welt“ ohne US-amerikanische Führung aufgehört hatte zu existieren. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich die USA auch unter Trump unverändert in der Rolle des Garanten internationaler Stabilität und als unentbehrliche Ordnungsmacht sahen. Damit unterschied sich seine Agenda trotz unbestrittener Abkehr von den Grundprinzipien des liberalen Internationalismus zumindest in einem Punkt gar nicht so erheblich von der seines Amtsvorgängers. Seit der zweiten Amtszeit Obamas ist der Trend einer größeren Zurückhaltung in Bezug auf Amerikas globales Engagement unverkennbar; davon sind nicht zuletzt der Nahe Osten und Nordafrika (MENA) unmittelbar betroffen. Auch unter der Administration von Joe Biden setzt sich „America First“ unter dem Label „Buy American“ fort und spiegelt den Willen wider, künftig amerikanische und nicht globale Interessen in den Mittelpunkt zu stellen. Das heißt aber nicht, dass Washington den Führungs- und Gestaltungsanspruch der USA in einer multipolaren Welt aufgegeben hätte.

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Rolle der USA im MENA-Raum

  • Stefan Fröhlich

摘要

Zum Selbstverständnis der USA gehört bis heute, dass US-amerikanische Präsidenten, gleichgültig ob Republikaner oder Demokrat, sich zugleich als „Führer der freien Welt“ inszenieren. Erst unter der ersten Präsidentschaft Trump schien diese Grundprämisse erstmals insofern infrage gestellt, als für viele Beobachtende diese „freie Welt“ ohne US-amerikanische Führung aufgehört hatte zu existieren. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich die USA auch unter Trump unverändert in der Rolle des Garanten internationaler Stabilität und als unentbehrliche Ordnungsmacht sahen. Damit unterschied sich seine Agenda trotz unbestrittener Abkehr von den Grundprinzipien des liberalen Internationalismus zumindest in einem Punkt gar nicht so erheblich von der seines Amtsvorgängers. Seit der zweiten Amtszeit Obamas ist der Trend einer größeren Zurückhaltung in Bezug auf Amerikas globales Engagement unverkennbar; davon sind nicht zuletzt der Nahe Osten und Nordafrika (MENA) unmittelbar betroffen. Auch unter der Administration von Joe Biden setzt sich „America First“ unter dem Label „Buy American“ fort und spiegelt den Willen wider, künftig amerikanische und nicht globale Interessen in den Mittelpunkt zu stellen. Das heißt aber nicht, dass Washington den Führungs- und Gestaltungsanspruch der USA in einer multipolaren Welt aufgegeben hätte.