Am Beispiel einer frühen Verteidigungsschrift der Vivisektion von Christlob Mylius wird gezeigt, wie der Autor strategisch auf die an Einfluss gewinnende Kultur der Empfindsamkeit reagiert. Die Schrift aus dem Jahr 1745 richtet sich gegen den in Leipzig lehrenden Altphilologen und Philosophen Johann Heinrich Winkler, der den Versuch am lebenden Tier – ähnlich wie der schottische Aufklärer Francis Hutcheson – als Verbrechen wider die Natur wertet. Dabei lässt sich Mylius argumentativ auf einen Horizont ein, an den er sich als Philosoph nicht gebunden fühlt: Er sucht den Gegner auf seinem eigenen Terrain zu schlagen und wahrt durch kalkuliert eingesetzte Persiflage eine Distanz zu den metaphysischen Voraussetzungen, von denen aus er seine nutzenorientierte Rechtfertigung des Tierversuchs entfaltet.

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Der Naturforscher als Verbrecher? Christlob Mylius’ scherzhaft-ernste Verteidigung der Vivisektion

  • Magdalena Fricke

摘要

Am Beispiel einer frühen Verteidigungsschrift der Vivisektion von Christlob Mylius wird gezeigt, wie der Autor strategisch auf die an Einfluss gewinnende Kultur der Empfindsamkeit reagiert. Die Schrift aus dem Jahr 1745 richtet sich gegen den in Leipzig lehrenden Altphilologen und Philosophen Johann Heinrich Winkler, der den Versuch am lebenden Tier – ähnlich wie der schottische Aufklärer Francis Hutcheson – als Verbrechen wider die Natur wertet. Dabei lässt sich Mylius argumentativ auf einen Horizont ein, an den er sich als Philosoph nicht gebunden fühlt: Er sucht den Gegner auf seinem eigenen Terrain zu schlagen und wahrt durch kalkuliert eingesetzte Persiflage eine Distanz zu den metaphysischen Voraussetzungen, von denen aus er seine nutzenorientierte Rechtfertigung des Tierversuchs entfaltet.