Die Blockchain-Technologie eröffnet ein ebenso faszinierendes wie vielschichtiges Feld der Erfahrung und philosophischen Diskussion. Mitunter wird sie als Technologie angesehen, die grundlegende Bedeutungen und Praktiken des sozialen Lebens – darunter Vertrauen und Transparenz – in besonderer Weise betrifft, Sinnhorizonte irritiert und damit deren Schärfung herausfordert, ohne sie jemals endgültig fassen zu können. Wie etwa lässt sich mit dem Anspruch sogenannter trustless technologies umgehen, Vertrauen zu ersetzen, es aus sozialen Beziehungen herauszulösen und in vermeintlich rein technische Bereiche, wie Protokolle oder Kode, zu überführen? Ebenso wiederholt und transformiert die Blockchain-Technologie die mit Vertrauen verknüpfte Idee von Transparenz: in einer Form, die auf Festschreibung und Nachverfolgbarkeit etwa von Transaktionsverläufen beruht. Blockchains generieren spezifische Formen von Sichtbarkeit, Sichtbarkeiten, die ihrerseits neue Herausforderungen mit sich bringen. Sichtbarkeiten bleiben dabei instabil: Sie können in Intransparenz umschlagen und legen offen, dass Transparenz, etwa durch Nachverfolgbarkeit, stets in wechselnde Kontexte und Verweisungsgefüge eingebunden ist. Ziel dieses Beitrags ist es, ausgehend von (1) einem Verständnis der Blockchain-Technologie als spezifischer Ausprägung der Distributed Ledger-Technologien und (2), vor dem Hintergrund ihrer Eingebundenheit in soziale und sprachliche Gefüge, die philosophische Relevanz solcher Technologien zu konturieren. Über Blockchain kommen wir zu Verkettung, Spuren und Abstraktion.

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Verkettete Spuren – Philosophie der Blockchain-Technologie

  • Ingrid Becker

摘要

Die Blockchain-Technologie eröffnet ein ebenso faszinierendes wie vielschichtiges Feld der Erfahrung und philosophischen Diskussion. Mitunter wird sie als Technologie angesehen, die grundlegende Bedeutungen und Praktiken des sozialen Lebens – darunter Vertrauen und Transparenz – in besonderer Weise betrifft, Sinnhorizonte irritiert und damit deren Schärfung herausfordert, ohne sie jemals endgültig fassen zu können. Wie etwa lässt sich mit dem Anspruch sogenannter trustless technologies umgehen, Vertrauen zu ersetzen, es aus sozialen Beziehungen herauszulösen und in vermeintlich rein technische Bereiche, wie Protokolle oder Kode, zu überführen? Ebenso wiederholt und transformiert die Blockchain-Technologie die mit Vertrauen verknüpfte Idee von Transparenz: in einer Form, die auf Festschreibung und Nachverfolgbarkeit etwa von Transaktionsverläufen beruht. Blockchains generieren spezifische Formen von Sichtbarkeit, Sichtbarkeiten, die ihrerseits neue Herausforderungen mit sich bringen. Sichtbarkeiten bleiben dabei instabil: Sie können in Intransparenz umschlagen und legen offen, dass Transparenz, etwa durch Nachverfolgbarkeit, stets in wechselnde Kontexte und Verweisungsgefüge eingebunden ist. Ziel dieses Beitrags ist es, ausgehend von (1) einem Verständnis der Blockchain-Technologie als spezifischer Ausprägung der Distributed Ledger-Technologien und (2), vor dem Hintergrund ihrer Eingebundenheit in soziale und sprachliche Gefüge, die philosophische Relevanz solcher Technologien zu konturieren. Über Blockchain kommen wir zu Verkettung, Spuren und Abstraktion.