Digitale Utopie
摘要
Eine Utopie für digitalisierte Strukturen beinhaltet gleichzeitig ihr Gegenteil, ihre eigene Dystopie. Der „Nicht-Ort“ oder der „gute Ort“, den „Utopie“ bezeichnet, lässt sich unter demselben Vorzeichen, dem der digitalen Vernetztheit, auch als „schlechter Ort“ interpretieren. Was den einen als soziales Paradies erscheint (Informations- oder Kommunikationsfreiheit), ist den anderen eine soziotechnische Hölle (Datensammlung, Überwachung). Inspirationen zur Kreation des Internets, der Frühform einer digitalen Utopie, kamen in den 1960er und 70er-Jahren aus der nordkalifornischen Flower-Power-Bewegung. Als staatlich finanzierte Jungunternehmen, ebenfalls mit Sitz in Nordkalifornien, erste digitale Produkte zur Nutzung bereitstellten, weckten diese große Hoffnungen auf eine bessere Gesellschaft, die sich in digitalen Utopien niederschlugen – in Idealvorstellungen von friedlicher Kollaboration, Inklusion, Transparenz oder im freien Fluss von Informationen. Die kurze digitalutopische Phase endete jedoch, als Marketingleute der Technologiekonzerne die digitalutopischen Versatzstücke zu Propagandazwecken nutzten, indem sie Freiheit qua Internet propagierten, aber die Monetarisierung von digitalen Daten meinten.