Epilog: Mensch und Gott im Werk von Appelfeld
摘要
Waren die bisherigen Überlegungen den Erzählgehalten von Appelfelds Romanen gefolgt, nimmt der Epilog nun explizit deren theologische Dimension in den Blick und entfaltet Momente einer Negativen Theologie, die mit allen Vorstellungen und Klischees bricht. Die Negativität wird im Ausgang von grundlegenden Überlegungen zu Anthropologie, Menschenwürde und Verwandlung bedacht. Negative Theologie wird etwa im traumatischen Verstummen manifest, keineswegs aber in einem schweigenden Vergessen, sodass die Unverstehbarkeit der Ereignisse zu respektieren bleibt. Deren letztes kontingentes Sinnangebot ist das Eingedenken der Fraktur als harte Brucherfahrung. Christliche Theologie kann in Appelfelds fragilen Erzähltexten ein sensibles Geschichtsbewusstsein entdecken, das die Vergangenheit in ihrer traumatischen Verstrickung und schmerzlichen Widersprüchlichkeit vergegenwärtigt. Sie kann bei der Lektüre lernen, die Antlitze der Opfer gegen den Erinnerungsverlust der Sieger der Geschichte aufzudecken. Im Zuge der Lektüre wird sie feststellen (müssen), wie hartnäckig sich einerseits antisemitische Vorbehalte im Kern christlicher Religion ausprägen konnten und wie sehr andererseits die Vergangenheit bei den Opfern selbst nach dem traumatischen Überleben noch nachwirkt, wie wenig Theologie aber infolgedessen einer undialektischen Fortschrittsgeschichte anheimfallen darf.