Mit einer großen Unbefangenheit machen sich die Figuren in Appelfelds Romanen auf die Suche nach Herkunft und Zukunft. Vor allem die Fragen nach den Wurzeln der persönlichen Identität und die damit eng verbundene (Rück-)Frage nach der Kindheit liegen motivisch im Zentrum der Romane. In diesem Kapitel wird die Tragfähigkeit von (religiösen) Erinnerungsdiskursen auf unterschiedlichen Diskursebenen des Erzählwerks untersucht. Zwei bemerkenswerte Motivstränge erhalten in diesem Kapitel besondere Beachtung: Zum einen kommt der (religiösen Sehnsucht nach der) Kindheit eine herausragende Stellung zu, die eine zwischen Theologie und Literatur sowie zwischen faktischen und fiktiven Erzählformen verlaufende Schnittstelle berührt. In Appelfelds Romanen werden Erinnerungsformen lesbar, bei denen Religion mit den mimetisch ausgeformten Ritualen und entsprechenden Textpraktiken eine bedeutsame Rolle zukommt. Zum anderen tritt in den Texten ein von starken Brüchen gezeichnetes Selbst hervor. Ausgehend von Freuds Überlegungen zur Verdrängung wird das Trauma nicht nur als Wunde, sondern als Bruch diskutiert, um vor diesem Hintergrund Rückschlüsse auf die formalästhetische Dimension der Textur zu ziehen. Indem die Brüchigkeit an den Textstrukturen zur Lesbarkeit kommt, wird deren Bedeutung für den theologischen Diskurs geöffnet.

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Figuren des Nachlebens und der Erinnerung

  • Lukas Pallitsch

摘要

Mit einer großen Unbefangenheit machen sich die Figuren in Appelfelds Romanen auf die Suche nach Herkunft und Zukunft. Vor allem die Fragen nach den Wurzeln der persönlichen Identität und die damit eng verbundene (Rück-)Frage nach der Kindheit liegen motivisch im Zentrum der Romane. In diesem Kapitel wird die Tragfähigkeit von (religiösen) Erinnerungsdiskursen auf unterschiedlichen Diskursebenen des Erzählwerks untersucht. Zwei bemerkenswerte Motivstränge erhalten in diesem Kapitel besondere Beachtung: Zum einen kommt der (religiösen Sehnsucht nach der) Kindheit eine herausragende Stellung zu, die eine zwischen Theologie und Literatur sowie zwischen faktischen und fiktiven Erzählformen verlaufende Schnittstelle berührt. In Appelfelds Romanen werden Erinnerungsformen lesbar, bei denen Religion mit den mimetisch ausgeformten Ritualen und entsprechenden Textpraktiken eine bedeutsame Rolle zukommt. Zum anderen tritt in den Texten ein von starken Brüchen gezeichnetes Selbst hervor. Ausgehend von Freuds Überlegungen zur Verdrängung wird das Trauma nicht nur als Wunde, sondern als Bruch diskutiert, um vor diesem Hintergrund Rückschlüsse auf die formalästhetische Dimension der Textur zu ziehen. Indem die Brüchigkeit an den Textstrukturen zur Lesbarkeit kommt, wird deren Bedeutung für den theologischen Diskurs geöffnet.