Zur Frühgeschichte des osteuropäischen Kriminalromans (Polen, Russland, Ukraine)
摘要
Schon die ersten Schritte der Detektivliteratur in Osteuropa – J. I. Kraszewskis Der Kriminalfall und A. Škljarevskijs Bericht eines Ermittlungsrichters (beide 1872) – zeigen einen produktiven Umgang mit dem Gattungsparadigma. Čechovs Drama auf der Jagd (1884/85) bietet, jenseits der Parodie, auch einen bedeutenden Roman. Forschungsdesiderat ist die nachholende Entwicklung in der Ukraine zwischen Ivan Franko und den 1920er Jahren. Der 1928/29 entstandene Erzählzyklus Der Scharfsinn des Dr. med. Piddubnyj von Jurij Šovkopljas ist eine literarische Entdeckung erster Güte: Als die sowjetische Gleichschaltung der Literatur zum Medium der Sozialkontrolle schon in vollem Gange ist, postuliert der Autor einen Detektiv, der das in Kampagnen gegen Saboteure und Verräter geschulte Strafbegehren durch sachlich und rechtlich gezügelte Argumente einhegt. Als Illustration dafür, wie der Kriminalroman zwischen Gesellschaft und Justiz navigiert – ob er sich zum Organ liberaler Ordnungspolitik macht oder obrigkeitstreu die Ermittlungs- und Strafbefugnisse staatlicher Instanzen feiert – ist dieses ukrainische Werk von besonderem Interesse.