Schwarze und Juden vor Gericht. Zur Frage der Menschenrechte in Gayots de Pitaval Causes célèbres
摘要
Anhand der Fälle ‚Jean Boucaux‘ und ‚Raphaël Lévy‘ werden natur- und menschenrechtliche Fragen vor der Déclaration des droits de l’homme erörtert. Zum einen rekonstruiert und kommentiert Gayot de Pitaval die cause célèbre eines nach Frankreich verbrachten Sklaven, der aufgrund eines als nationalcharakteristisch verstandenen Freiheitsbegriffs und gestützt auf eine Reihe von Verfahrensfehlern erfolgreich seine Freiheit einfordert. Zum anderen geht es um einen angeblichen jüdischen Ritualmord. Gayot billigt hier auch noch die gröbsten Verfahrensfehler, goutiert brutale Folter und die Verurteilung des unschuldigen „Täters“ zum Scheiterhaufen. Die Diskrepanz von verfahrensrechtlich praktizierter Toleranz und hasserfülltem Antisemitismus ist nur aus der dogmatischen Position heraus zu erklären, dass der naturrechtliche Anspruch auf Freiheit und Gleichheit im Frankreich des Ancien Régime wohl für die meisten Juristen strikt auf die christliche Gemeinschaft beschränkt bleibt. Außerhalb dieser Gemeinschaft gilt das Völkerrecht als ein Recht des Krieges zwischen den Völkern.