Vom pícaro zur sicaria. Transatlantische Brückenschläge zwischen der hispanophonen Pikareske der Frühen Neuzeit und der zeitgenössischen lateinamerikanischen narconovela und Sikareske
摘要
Die anhaltende Popularität der Figur des meist männlichen, sozial marginalen und kulturell diversen Delinquenten reichtvon der frühneuzeitlichen spanischen Pikareske Lazarillo de Tormes (1554) bis zu Streamingerfolgen der Gegenwart wie Narcos (2018–2021). Der vorliegende Beitrag skizziert zunächst den weltlichen und religiösen Rechtsbruch in Lazarillo als der frühesten spanischen Pikareske. Im Folgenden wird untersucht, wie die Gattung im Zuge ihres Sprungs über den Atlantik hispanoamerikanischen Texten als Folie dient, beginnend mit den Chroniken der kolonialen Eroberung und Cabeza de Vacas Naufragios (1555) über Carrió de la Vanderas El Lazarillo de ciegos caminantes (1773) und Fernández de Lizardis El Periquillo Sarniento (Mexiko, 1830) bis zu zeitgenössischen Subgenres der novela negra wie der narconovela und der Sikareske, in deren Fokus Drogenhändler und AuftragsmörderInnen stehen. Dabei nimmt die Analyse auch die Funktionen der Texte in ihrem jeweiligen kulturellen und zeitlichen Kontext in den Blick.