Zur Ambiguität von dadaistischen Titeln
摘要
Für die Erforschung der literarischen ambiguitas erweisen sich die Texte der experimentierfreudigen Dichter aus der Dada-Bewegung als äußerst relevant. Insbesondere kann das Gedicht An Anna Blume vom Merzkünstler Kurt Schwitters als Manifest der Ambiguität gelten, nicht nur im Sinne von genereller dichterischer Mehrdeutigkeit, sondern auch im etymologischen Sinne des Wortes (ambiguitas als ‚Doppelsinn‘). Der Beitrag untersucht, wie Ambiguität im Gedicht zum Ausdruck kommt und welche Funktionen sie übernimmt. Dabei fokussiert er auf bestimmte Aspekte wie die symmetrische Konstruktion des Titels und der Zeile „Anna Blume hat ein Vogel“ sowie auf die konkrete und abstrakte ,Ambi-Valenz‘ des Namen-Palindroms ,Anna‘. Durch das Spiel mit der konstitutiven Gespaltenheit der ambiguitas in Form und Semantik lässt Schwitters eine frappante Metapher entstehen, die in der Liebesdichtung des 20. Jahrhunderts unvergesslich bleibt.