Biblische Mehrdeutigkeit
摘要
Friedrich Hebbels Bürgerliches Trauerspiel Maria Magdalena zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, die der Artikel im Anschluss an gendertheoretische Studien und der Wechselbeziehung von Bibel und Literatur untersucht. Im Drama ist keine Figur verzeichnet, die den Namen Maria Magdalena trägt, auch die biblische Figur wird zu keinem Moment im Text erwähnt. Diese Leerstelle eröffnet verschiedene Interpretationsmöglichkeiten: So können die mit der biblischen Figur Maria Magdalena konnotierten Themenfelder (Sünde und Auferstehung) einerseits als Lektüreanweisungen betrachtet werden. Die durch die Titelwahl etablierte Mehrdeutigkeit wie auch die in Gang gesetzte Interpretationsdynamik fungieren andererseits als aufmerksamkeitsökonomische Geste, als Akt der Autorinszenierung. Hebbel setzt den Titel und den biblischen Intertext strategisch ein, um in der literarischen Öffentlichkeit auf sein Drama aufmerksam zu machen und sich in wirkmächtige literarische Traditionen einzuschreiben.