Der Beitrag untersucht die Bedeutung philosophischer Lebenskunstkonzepte für die psychodynamische Psychotherapie. Freuds psychoanalytische Therapiekonzepte der Katharsis, des Abstinenzprinzips (als Form der Askese), der Forderung nach „voller Aufrichtigkeit“ (in der Tradition der Parrhesia) und der gleichschwebenden Aufmerksamkeit (mit ihrer Nähe zu Mußepraktiken) haben ihren Ursprung in der antiken Heil- und Lebenskunst. In der heutigen therapeutischen Lebenskunst werden folgende Orientierungspunkte hinzugezogen: die Unterscheidung expliziter und impliziter Lebenskunstkonzepte, der Takt als emotionaler Beziehungsregulator, ein Stufenmodell therapeutischer Selbstsorge und die existenzielle Psychotherapie als eine spezielle Form psychodynamischer Psychotherapie, die auf existenzielle Polaritäten wie Leben versus Tod, Freiheit versus Unfreiheit, In-Beziehung-Sein versus Vereinsamung und Sinn versus Sinnlosigkeit ausgerichtet ist. Abschließend wird die Perspektive therapeutischer Lebenskunst an einem ausführlichen Fallbeispiel verdeutlicht.

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Die Philosophie der Lebenskunst und ihre Bedeutung für die psychodynamische Psychotherapie

  • Günter Gödde

摘要

Der Beitrag untersucht die Bedeutung philosophischer Lebenskunstkonzepte für die psychodynamische Psychotherapie. Freuds psychoanalytische Therapiekonzepte der Katharsis, des Abstinenzprinzips (als Form der Askese), der Forderung nach „voller Aufrichtigkeit“ (in der Tradition der Parrhesia) und der gleichschwebenden Aufmerksamkeit (mit ihrer Nähe zu Mußepraktiken) haben ihren Ursprung in der antiken Heil- und Lebenskunst. In der heutigen therapeutischen Lebenskunst werden folgende Orientierungspunkte hinzugezogen: die Unterscheidung expliziter und impliziter Lebenskunstkonzepte, der Takt als emotionaler Beziehungsregulator, ein Stufenmodell therapeutischer Selbstsorge und die existenzielle Psychotherapie als eine spezielle Form psychodynamischer Psychotherapie, die auf existenzielle Polaritäten wie Leben versus Tod, Freiheit versus Unfreiheit, In-Beziehung-Sein versus Vereinsamung und Sinn versus Sinnlosigkeit ausgerichtet ist. Abschließend wird die Perspektive therapeutischer Lebenskunst an einem ausführlichen Fallbeispiel verdeutlicht.