Grundlagen und Kriterien der Diagnostik
摘要
Lehrpersonen werden in ihrem Berufsalltag mit einer Vielzahl an Aufgabenstellungen konfrontiert, die die Erstellung von Diagnosen und diagnostische Kenntnisse erfordern. Im Fokus der Diagnostik durch Lehrpersonen stehen Lernvoraussetzungen, Lernprozesse und Lernergebnisse von Schülerinnen und Schülern (Schrader 2013; Kap. 29), die mit unterschiedlichen Verfahren gemessen werden. Neben Verfahren zur Lernergebnismessung kann auch der Einsatz öffentlich verfügbarer oder selbst konstruierter Fragebögen für die Erfassung schulbezogener Einstellungen (z. B. gegenüber dem unterrichteten Fach oder den eingesetzten Unterrichtsmethoden) relevant sein. Welche Informationen mittels diagnostischer Methoden gesammelt werden sollen, richtet sich nach den konkreten Fragestellungen. Die Beantwortung dieser Fragestellungen ist häufig mit wichtigen pädagogischen Entscheidungen verbunden (z. B. Empfehlung für eine bestimmte Schulart). Die Erfassung nicht geeigneter Informationen und/oder methodisch schlecht erfasste Informationen erschweren pädagogische Entscheidungen (van Ophuysen & Behrmann 2015). Um fundierte pädagogische Entscheidungen mit Hilfe einer sachgemäßen Diagnostik treffen zu können, benötigen Lehrpersonen bestimmte Fertigkeiten. Die Kompetenz von Lehrpersonen zur erfolgreichen Bewältigung diagnostischer Aufgabenstellungen wird als diagnostische Kompetenz bezeichnet. Sie schließt die Qualität der erbrachten Diagnosestellungen mit ein (Schrader 2011). Helmke (2009, S. 122) nennt einige wichtige Voraussetzungen für die Diagnosekompetenz von Lehrpersonen. Hierzu gehören u. a. Kenntnisse über grundlegende Begriffe der pädagogischen Diagnose, Gütekriterien diagnostischer Leistungen, ausgewählte Diagnoseinstrumente, Tests und Fragebogenverfahren. Weitere entscheidende Merkmale der Diagnosekompetenz von Lehrpersonen sind nach Helmke (2009, S. 122) Fähigkeiten zur geeigneten Auswahl von Diagnoseverfahren für einen gegebenen Anlass, die Bildung einer zusammenfassenden Beurteilung auf Basis erhaltener Informationen, die Ableitung von Hypothesen und Prognosen über die zukünftige Entwicklung aus einer Diagnose und die verständliche und konstruktive Vermittlung von Diagnoseergebnissen an Schülerinnen, Schüler und Eltern.