Um 1700 sind der galante und der koloniale Diskurs eng miteinander verwoben. Der Beitrag untersucht anhand von August Bohses auszugsweiser Übersetzung von Les Voyages du Sieur Le Maire aux Isles Canaries, Cap-Verd, Senegal et Gambie (1695) den kolonialen Blick und die Kolonialität von Wissen im galanten Diskurs und deren Transformation durch Übersetzung. Dabei spielt die Intersektionalität der Kategorien gender, race, Religion und gesellschaftlicher Rang eine zentrale Rolle. Durch die Übersetzung ins Deutsche wird der französische koloniale Kontext abgeschwächt. In beiden Texten dient das koloniale Wissen dazu, sich als überlegen und kultiviert darzustellen und Hinweise für erfolgreiche Handelsgeschäfte zu geben. Die kolonisierten Subjekte werden abgewertet und verdinglicht. Vor allem Schwarze Sklavinnen, die einer indigenen Religion angehören, werden durch den kolonialen Blick unsichtbar gemacht – was die Übersetzung durch das Weglassen von Kupferstichen noch verstärkt.

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Übersetzte Kolonialität um 1700. August Bohses Übersetzung von Les Voyages du Sieur Le Maire aux Isles Canaries, Cap-Verd, Senegal et Gambie (1695)

  • Isabelle Stauffer

摘要

Um 1700 sind der galante und der koloniale Diskurs eng miteinander verwoben. Der Beitrag untersucht anhand von August Bohses auszugsweiser Übersetzung von Les Voyages du Sieur Le Maire aux Isles Canaries, Cap-Verd, Senegal et Gambie (1695) den kolonialen Blick und die Kolonialität von Wissen im galanten Diskurs und deren Transformation durch Übersetzung. Dabei spielt die Intersektionalität der Kategorien gender, race, Religion und gesellschaftlicher Rang eine zentrale Rolle. Durch die Übersetzung ins Deutsche wird der französische koloniale Kontext abgeschwächt. In beiden Texten dient das koloniale Wissen dazu, sich als überlegen und kultiviert darzustellen und Hinweise für erfolgreiche Handelsgeschäfte zu geben. Die kolonisierten Subjekte werden abgewertet und verdinglicht. Vor allem Schwarze Sklavinnen, die einer indigenen Religion angehören, werden durch den kolonialen Blick unsichtbar gemacht – was die Übersetzung durch das Weglassen von Kupferstichen noch verstärkt.