„Corydon en kan niet leven“. Marginalisierte Homoerotik in frühbarocken Adaptionen antiker Bukolik – am Beispiel von Daniël Heinsius
摘要
Der Beitrag geht dem Marginalisierungsprozess nach, dem homoerotische Begehrensformen in frühneuzeitlichen Adaptionen der antiken Bukolik unterliegen. Am Beispiel von Daniël Heinsius’ Übertragungen griechischer und römischer Schäferdichtung werden vier Varianten von Übertragungspraktiken diskutiert, die mit divergenten literarischen Kommunikationsbedingungen einhergehen und unterschiedliche Grade der Marginalisierung bedingen. Im Unterschied zu seinen wissenschaftlichen Theokrit-Editionen und den dazugehörigen lateinischen Übersetzungen finden sich in Heinsius’ Übersetzungen ins Niederländische Anpassungen, die den kulturellen Normen des Zielpublikums ebenso geschuldet sind wie literatur- und sprachprogrammatischen Maßstäben. Noch weitreichender sind die Umformungen dort, wo Heinsius’ volkssprachliche Texte sich nur noch locker auf die antiken Vorbilder beziehen – exemplarisch im Falle eines Pastoraels, dessen Protagonist, der Hirte Corydon, Vergils zweiter Ekloge entlehnt ist.