Die Vergehen der 12 Mägde. Verfahren der Intersektionalisierung von Dienerschaft und Sklaverei in den Homer-Übersetzungen von Simon Schaidenreisser (1537) und Johannes Spreng (1610)
摘要
Die weiblichen Bediensteten der homerischen Epen sind eine in ihrer zweifachen Marginalisierung weithin unsichtbare Gruppe von Figuren. Sie verkörpern kulturelle Hierarchisierungs- und Marginalisierungspraktiken, welche in diesem Beitrag genauer untersucht werden sollen. Dazu werden die ersten deutschsprachigen Homer-Übersetzungen, Simon Schaidenreissers Odyssea (1537) und Johannes Sprengs Ilias Homeri (1610) auf ihren Umgang mit den homerischen Sklavinnen durchleuchtet. In einer intersektionalen Übersetzungsanalyse zeigt sich, wie die frühneuzeitlichen Übersetzer die Sklavinnen als Hausmägde imaginieren und ihre Aufgabenfelder sowie das hierarchische Gefälle zwischen ihnen und den Dienstherrn frühneuzeitlichen Erwartungen anpassen. Folge dessen ist eine Verlagerung von Verhaltensmaximen und Schuldzuschreibung zwischen den Kategorien Stand und Geschlecht.