Politik
摘要
Das Verhältnis Thomas Manns zur Politik ist ambivalent und bleibt zeitlebens von Skepsis geprägt. Besonders beunruhigt ihn, dass man sich der Politik nicht verweigern kann: »Weiß man auch nur von ihr, so ist man ihr schon verfallen. Man hat seine Unschuld verloren« (GKFA 13.1, 451). Hierin drückt sich ein bildungsbürgerlich geprägtes Unbehagen an der Politik aus, die als defizitäres Sinnstiftungssystem wahrgenommen wird und somit der eigentlich bedeutenden Kultur unterlegen ist. Kultur versteht Mann als einen autonomen, unverfügbaren Zweck, allein auf den Einzelnen und seine innerliche Bildung ausgerichtet und somit frei von sozialen Ansprüchen. Der Skandal der Politik liegt darin, die Kultur zu einem Mittel gesellschaftlicher Verständigung und Organisation zu machen und so zu entwerten.