Das bis in die Tausender hinaufreichende, also im Vergleich zu den Verhältnissen bei manchen Naturvölkern relativ hochentwickelte Zahlensystem der urindoeuropäischen Grundsprache weist im Bereich der primären Kardinalia der „Fingerreihe“ (engl. digits) eine merkwürdige Asymmetrie hinsichtlich des Flexionsverhaltens auf: Die niederen Kardinalia von ‚eins‘ bis ‚vier‘ sind deklinierbar, die restlichen digits von ,fünf‘ bis ‚zehn‘ sind indeklinabel – ein Befund, der sich zwar nirgends in reiner Form erhalten hat, aber vor allem aus den in dieser Hinsicht besonders altertümlichen Sprachen Griechisch und Altindisch verlässlich – und meines Wissens auch unbestritten – rekonstruiert werden kann. Weiterhin sind innerhalb der Deklination der niederen Kardinalia einige Besonderheiten zu verzeichnen, nämlich die Numerusrestriktionen bei ,zwei‘ (nur dualisch), ,drei‘ und ,vier‘ (beide nur pluralisch) und zudem die außergewöhnliche Behandlung des Genus bei ,drei‘ und ,vier‘. Für die Bezeichnung des Femininum existiert eine Sonderformation sui generis, die nur im Indoiranischen und Keltischen fortgesetzt ist (altind. tisrás, cátasras und so weiter). Die Frage, ob der Gebrauch dieser Sonderformen obligatorisch – wie dann im ältesten Indoiranischen und Keltischen – oder fakultativ gewesen ist, bleibt zu erörtern, soll aber in vorliegendem Aufsatz nicht aufgegriffen werden.

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Zu den geschlechtigen Nominativformen des Kardinalzahlworts ‚drei‘ im Althochdeutschen

  • Katsiaryna Ackermann,
  • Joachim Matzinger

摘要

Das bis in die Tausender hinaufreichende, also im Vergleich zu den Verhältnissen bei manchen Naturvölkern relativ hochentwickelte Zahlensystem der urindoeuropäischen Grundsprache weist im Bereich der primären Kardinalia der „Fingerreihe“ (engl. digits) eine merkwürdige Asymmetrie hinsichtlich des Flexionsverhaltens auf: Die niederen Kardinalia von ‚eins‘ bis ‚vier‘ sind deklinierbar, die restlichen digits von ,fünf‘ bis ‚zehn‘ sind indeklinabel – ein Befund, der sich zwar nirgends in reiner Form erhalten hat, aber vor allem aus den in dieser Hinsicht besonders altertümlichen Sprachen Griechisch und Altindisch verlässlich – und meines Wissens auch unbestritten – rekonstruiert werden kann. Weiterhin sind innerhalb der Deklination der niederen Kardinalia einige Besonderheiten zu verzeichnen, nämlich die Numerusrestriktionen bei ,zwei‘ (nur dualisch), ,drei‘ und ,vier‘ (beide nur pluralisch) und zudem die außergewöhnliche Behandlung des Genus bei ,drei‘ und ,vier‘. Für die Bezeichnung des Femininum existiert eine Sonderformation sui generis, die nur im Indoiranischen und Keltischen fortgesetzt ist (altind. tisrás, cátasras und so weiter). Die Frage, ob der Gebrauch dieser Sonderformen obligatorisch – wie dann im ältesten Indoiranischen und Keltischen – oder fakultativ gewesen ist, bleibt zu erörtern, soll aber in vorliegendem Aufsatz nicht aufgegriffen werden.