Entwerfen eines Sachsystems
摘要
Die Namen Archimedes, Schwarz, Otto und Kaplan – um nur einige zu nennen – wurden durch die Erfindungen der Träger dieser Namen unsterblich. Alle diese Erfindungen sollen „zufällig“ zustande gekommen sein, im Bad, in der Küche, aus Dilettantismus, nach einer feuchtfröhlichen Feier. Diese Erfindungen haben aber alle eine zweite Gemeinsamkeit: Ihre „Erfinder“ konnten eine zufällige Beobachtung in einen Rahmen einordnen, der eine Tragweite weit über das singuläre Ereignis erschloss. Ohne diese Fähigkeit, ohne dieses Vorgeprägtsein hätten sie beim nächsten Bad weniger Wasser eingelassen, beim nächsten Mal ein anderes Rezept zur Herstellung von Gold erprobt, andere Motorenkonzepte getestet oder vor einer Feier den Laborschlüssel abgegeben – und die Idee, die „Erfindung“ wäre verlorengegangen. Dabei ist völlig klar, dass es keine allgemeine Vorgehensweise für das Erfinden von Technik sein kann, dass es nicht ausreicht, sich in die Badewanne zu legen oder sich zu betrinken, um dann auf die Erleuchtung, auf den Geistesblitz zu warten. Der „Einfall“ hatte auch in diesen Fällen harte Arbeit, die Aufbereitung und Kenntnis eines Problemfelds zur Voraussetzung: Nur so konnte ein zufällig eingetretener „Effekt“ als „Lösungsprinzip“ erkannt und begriffen werden. In diesem Kapitel wird ausgehend von dem in den Kognitionswissenschaften eingeführten Begriff des persönlichen Konstrukts aufgezeigt, wie wir ausgehend von elementarstem Denken rekursiv Schemata für das Entwerfen nutzen und erarbeiten können. Damit soll zum einen das Hoffen und Warten auf den zufälligen Einfall, auf die Erfindung des „Ingenieurs“ soweit als möglich ausgeschaltet werden. Zum anderen aber soll auch deutlich werden: Wenn wir auf keine Schemata, auf keine persönlichen Konstrukte zurückgreifen können und ohne eigenes Wissen und Können nur stumpf nacheinander die Schritte einer Konstruktions- oder Entwurfsmethodik abarbeiten, dann wird das Ergebnis unseres Bemühens ein Kompendium gerade angelesenen Schulbuchwissens, aber kein guter Entwurf, geschweige denn eine Erfindung sein – eine Schöpfung aus dem Nichts übersteigt menschliche Fähigkeiten.