Institutionen des Übersetzens: Orden
摘要
Der Beitrag legt den Fokus auf die jesuitische Übersetzungskultur in der polnisch-litauischen Adelsrepublik (1564–1820) und beschreibt die Übersetzer, ihre Übersetzungstechniken, die Textprodukte, die Transformationen und den Kreis der Adressaten. Diese Übersetzungen entstanden als Reaktion auf das Defizit an katholischer Vernakularliteratur, die für Leser ohne Lateinkenntnisse, insbesondere für Frauen, zugänglich waren. Die intensive Übersetzungspraxis steht in Zusammenhang mit dem Bildungsideal der Jesuitenkollegien, den dort entwickelten Methoden des Fremdsprachenerwerbs und der Aufwertung der Volkssprachen nach der Reformation. Die Missionstätigkeit der Jesuiten in Livland und Litauen trug wesentlich zur Entwicklung der schriftlichen Überlieferung in den baltischen Sprachen, zur Ausdifferenzierung des Wortschatzes und zur Normierung grammatischer Regeln bei. Die Arbeit von über dreihundert mit der Gesellschaft Jesu verbundenen Übersetzern führte zur breiten Verfügbarkeit katholischer Literatur auch für Laien, zur Aufwertung kultureller und religiöser Autonomie von Frauen, zur Entstehung neuer Gruppierungen in der polnischen Frömmigkeitsbewegung sowie zur Ausbildung eines Zugehörigkeitsgefühls zur globalen katholischen Gemeinschaft.