Amerika ist in der Frühen Neuzeit Aktionsraum sprachlicher, intersemiotischer und kultureller Translationshandlungen im Kontext von Eroberung, kolonialer Verwaltung, Mission und Handel. Zugleich ist es Gegenstand literarischer und wissenschaftlicher Werke, die Amerika als geografischen und anthropologischen Raum beschreiben und konstruieren und die in Form von Übersetzungen europaweit zirkulieren. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Rahmenbedingungen, Institutionen und Orte des Übersetzens und Dolmetschens auf dem amerikanischen Kontinent sowie indigene und europäische Akteure. Beleuchtet werden die Inszenierung von Translationshandlungen in der Literatur, die ideologische Vereinnahmung indigener Übersetzerfiguren für Prozesse des amerikanischen Nation Building sowie die Funktion, die Amerika für philosophische Reflexion in Europa zukam. Die Beispiele der „Comentarios reales“ Inca Garcilasos und des „Diccionario de América“ von Alcedo illustrieren die Multidirektionalität von Übersetzungsprozessen und geben einen Ausblick auf die Bedeutung wissenschaftlicher Übersetzungen für imperiale Rivalitäten und Machtverschiebungen in Zentrum-Peripherie-Relationen.

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Translationsräume: Amerikanisch

  • Susanne Greilich

摘要

Amerika ist in der Frühen Neuzeit Aktionsraum sprachlicher, intersemiotischer und kultureller Translationshandlungen im Kontext von Eroberung, kolonialer Verwaltung, Mission und Handel. Zugleich ist es Gegenstand literarischer und wissenschaftlicher Werke, die Amerika als geografischen und anthropologischen Raum beschreiben und konstruieren und die in Form von Übersetzungen europaweit zirkulieren. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Rahmenbedingungen, Institutionen und Orte des Übersetzens und Dolmetschens auf dem amerikanischen Kontinent sowie indigene und europäische Akteure. Beleuchtet werden die Inszenierung von Translationshandlungen in der Literatur, die ideologische Vereinnahmung indigener Übersetzerfiguren für Prozesse des amerikanischen Nation Building sowie die Funktion, die Amerika für philosophische Reflexion in Europa zukam. Die Beispiele der „Comentarios reales“ Inca Garcilasos und des „Diccionario de América“ von Alcedo illustrieren die Multidirektionalität von Übersetzungsprozessen und geben einen Ausblick auf die Bedeutung wissenschaftlicher Übersetzungen für imperiale Rivalitäten und Machtverschiebungen in Zentrum-Peripherie-Relationen.