Institutionen des Übersetzens: Stadt
摘要
In der frühneuzeitlichen Stadt als einem Ort verdichteter Kommunikation lassen sich unter Anwendung eines weiten Übersetzungsbegriffs, der sowohl interlinguale Phänomene als auch ausdrücklich kulturelle, mediale und materielle Transferprozesse berücksichtigt, Übersetzungsleistungen auf unterschiedlichen Ebenen feststellen. Dabei lässt sich zwischen der Stadt als Ort von Übersetzungen und der Stadt als Gegenstand von Übersetzungen unterscheiden. Ein alltäglicher Sprachpluralismus, der in bestimmten Stadttypen wie der Hafenstadt oder der Grenzstadt stärker ausgeprägt war als in anderen, machte interlinguale Übersetzungen nötig, was zur Ausbildung spezieller Professionen ebenso wie Textgattungen beitrug. Daneben lassen sich aber auch Übersetzungsprozesse zwischen unterschiedlichen Modi der Kommunikation (mündlich, schriftlich, performativ) sowie unterschiedlichen Medien beobachten. Betrachtet man die Stadt als Gegenstand von Übersetzungen, ist zunächst an frühneuzeitliche Stadtdarstellungen und Texte wie das Städtelob oder Topografien zu denken, die idealtypische Vorstellungen von Urbanität vermitteln. Zugleich wurde im Zuge der europäischen Expansion der Idealtypus der okzidentalen Stadt in andere Weltregionen transferiert.