Pflegeethik und die feministisch orientierte Care-Perspektive
摘要
Die Pflegeethik hat im Vergleich zur Medizinethik ein randständiges Dasein, denn ihre Position und ihre Fachlichkeit sind strukturell kaum und nicht verpflichtend verankert. Während die Medizinethik an jeder medizinischen Fakultät regelhaft etabliert ist, ist die Pflegeethik an einzelnen Fachhochschulen regellos vertreten. Dies hat Konsequenzen in der Lehre und Forschung sowie in den Fachdiskursen. Die wenigen Akteure der Pflegeethik haben die Aufgabe, die ethischen Themen und Fragen der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen, die Pflegenden, in die ethischen Diskurse zu bringen. Dabei greifen sie auf die tradierten Denkmodelle und theoretischen Ansätze, insbesondere die Modelle der Prinzipienethik zurück. Wie Studien zeigen, können sie nicht ausreichend dazu führen, dass strukturelle Benachteiligungen, Ungleichheiten, Macht, Konflikte und Verantwortlichkeiten ans Licht gebracht werden. Vor dem Hintergrund einer Zusammenführung von diversitätssensiblen Ansätzen, welche Pflege und Pflegeethik jeweils als sorgende Praxen verstehen, plädiert die Autorin des Beitrags für eine feministisch ausgerichtete Care-Ethik. Die ausgewählten Ansätze von Joan Tronto, Elisabeth Conradi und M.U. Walker zeigen eine Öffnung zu ethischen Fragen der Angewiesenheit, der Macht, der Konflikte und der Verantwortlichkeiten.