Fehlgeburt, Stille Geburt und die unwiederbringliche Jetztzeit
摘要
Die Gleichzeitigkeit von Geburt und Verlust bei Stiller Geburt und Fehlgeburt bedingt eine krisenhafte Situation, die von Ambivalenzen und Unsicherheiten geprägt ist. Medizinisches Fachpersonal, insbesondere Hebammen, begegnen diesen, indem sie Stille Geburten wie ‚normale‘ Lebendgeburten begleiten und die Zeit nach der Entbindung als Phase der Familienwerdung gestalten. Der Beitrag zeigt, dass das Zeitfenster nach der Geburt als unwiederbringliche Jetztzeit gestaltet wird, die genutzt werden soll, um Erinnerungen fürs Leben und Voraussetzungen gelingender Trauer zu schaffen. Das geburtshilfliche Framing als Geburt und Abschied eines stillgeborenen Kindes ist bei späten Verlusten (Totgeburten) inzwischen sehr etabliert, bei früheren Verlusten (Fehlgeburt) nicht. Der Beitrag fokussiert aus soziologischer Perspektive die mit Zeitlichkeit verbundenen Vorstellungen, Praktiken und Normen, die Schwangerschaftsverluste im klinischen Kontext prägen.