Basel, der Geburtsort von Leonhard Euler (*1707), war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine der 13 Republiken (Kantone), die sich zur Schweiz zusammengeschlossen hatten. Die Stadt Basel zählte etwa 17 000 Einwohner, darunter viele Nachfahren reformierter Flüchtlinge, so dass man im 18. Jahrhundert zögerte neue Einwohner ins Bürgerrecht aufzunehmen. Eulers Urgroßvater Hans Georg Euler (1573-1663) hatte 1594 als geachteter Kamm-Macher Basler Bürgerrecht erworben. Damit legte er den Grundstein, dass das in Riehen bei Basel aufgewachsene Kind Leonhard eine Schulausbildung in Basel (mit Ergänzung durch den Vater u. a.) bekam und schließlich an der einzigen Schweizer Universität Theologie studieren durfte. Während die väterlich Vorfahren Eulers bis zu seinem Vater Handwerker blieben, folgte Leonhard Euler seinem Vater und begann ein Theologiestudium. Die mütterlichen Vorfahren hingegen waren hoch gebildet, so dass der Knabe keineswegs in der ländlichen Idylle Riehen aufwuchs, sondern in einem Kreis gebildeter Personen heranwuchs und bereits als Knabe über aktuelle philosophische Probleme wie die Unterschiede der Lehren von Descartes und Newton diskutieren konnte. Aber der brillante Student, der inzwischen mathematische Studien bei dem berühmten Johannes Bernoulli betrieb, fand wie viele seiner begabten Kommilitonen keine angemessene Anstellung in der Schweiz, der er ungern den Rücken kehrte. Er nahm aber auf seinem Wegzug mehrere Dinge mit sich, auf die er an seinen Arbeitsplätzen zurückgriff. Wie der Vater eifrig Tauf- und andere Statistiken anlegte, tabellierte und klassifizierte der Sohn gern mathematische Objekte. Die kirchliche Praxis des Vaters spiegelt sich in der religiösen Ausbildung in seiner Berliner Kirchgemeinde wieder (z. B. Konfirmation), und auch die säkularen Reformen des Schulwesens vom Sohnes sind ein spätes Spiegelbild seiner Riehener Erfahrungen. Die gewaltige Arbeitsleistung Eulers wird voreilig von der Vorstellung einer robusten Gesundheit begleitet. Aber es ist eher umgekehrt, dass ein eiserner Wille sich gegen gesundheitliche Schwächen zugunsten des Schaffens durchsetzte. Genaueres Hinsehen zeigt, dass dies von Jugend an der Fall war (wie bei seinem Augenleiden).

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Basel 1701–1727

  • Rüdiger Thiele

摘要

Basel, der Geburtsort von Leonhard Euler (*1707), war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine der 13 Republiken (Kantone), die sich zur Schweiz zusammengeschlossen hatten. Die Stadt Basel zählte etwa 17 000 Einwohner, darunter viele Nachfahren reformierter Flüchtlinge, so dass man im 18. Jahrhundert zögerte neue Einwohner ins Bürgerrecht aufzunehmen. Eulers Urgroßvater Hans Georg Euler (1573-1663) hatte 1594 als geachteter Kamm-Macher Basler Bürgerrecht erworben. Damit legte er den Grundstein, dass das in Riehen bei Basel aufgewachsene Kind Leonhard eine Schulausbildung in Basel (mit Ergänzung durch den Vater u. a.) bekam und schließlich an der einzigen Schweizer Universität Theologie studieren durfte. Während die väterlich Vorfahren Eulers bis zu seinem Vater Handwerker blieben, folgte Leonhard Euler seinem Vater und begann ein Theologiestudium. Die mütterlichen Vorfahren hingegen waren hoch gebildet, so dass der Knabe keineswegs in der ländlichen Idylle Riehen aufwuchs, sondern in einem Kreis gebildeter Personen heranwuchs und bereits als Knabe über aktuelle philosophische Probleme wie die Unterschiede der Lehren von Descartes und Newton diskutieren konnte. Aber der brillante Student, der inzwischen mathematische Studien bei dem berühmten Johannes Bernoulli betrieb, fand wie viele seiner begabten Kommilitonen keine angemessene Anstellung in der Schweiz, der er ungern den Rücken kehrte. Er nahm aber auf seinem Wegzug mehrere Dinge mit sich, auf die er an seinen Arbeitsplätzen zurückgriff. Wie der Vater eifrig Tauf- und andere Statistiken anlegte, tabellierte und klassifizierte der Sohn gern mathematische Objekte. Die kirchliche Praxis des Vaters spiegelt sich in der religiösen Ausbildung in seiner Berliner Kirchgemeinde wieder (z. B. Konfirmation), und auch die säkularen Reformen des Schulwesens vom Sohnes sind ein spätes Spiegelbild seiner Riehener Erfahrungen. Die gewaltige Arbeitsleistung Eulers wird voreilig von der Vorstellung einer robusten Gesundheit begleitet. Aber es ist eher umgekehrt, dass ein eiserner Wille sich gegen gesundheitliche Schwächen zugunsten des Schaffens durchsetzte. Genaueres Hinsehen zeigt, dass dies von Jugend an der Fall war (wie bei seinem Augenleiden).