Tourismus neu gedacht: Wie Nachhaltigkeit Arbeitsplätze schafft und die lokale Kultur erhält
摘要
Der Tourismus und die Art zu reisen haben sich kontinuierlich gewandelt. Im 19. Jahrhundert entstand der Badetourismus. Die gehobene Gesellschaft in Deutschland fuhr nach Baden-Baden oder ins Seebad Heiligendamm, um die Heilkraft von Luft und Wasser zu nutzen. Jahre später trieb die industrielle Revolution den Ausbau von Eisenbahnnetzen und Dampfschiffen voran und ermöglichte einer breiten Bevölkerung auf Reisen zu gehen. 1841 organisierte Thomas Cook die erste Pauschalreise für englische Arbeiter innerhalb Englands und 1861 die erste internationale Auslandspauschalreise nach Paris. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Weiterentwicklung des Flugverkehrs mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einher. Zeitgleich ermöglichte die Einführung von bezahltem Urlaub vor allem der Mittelschicht nicht nur national, sondern auch international zu reisen. Und schließlich im 21. Jahrhundert wird der Tourismus vor allem durch Digitalisierung und Globalisierung geprägt: Online-Buchungsplattformen, Bewertungsportale und soziale Medien sowie Fluggesellschaften, die Flüge günstiger als Bahnreisen anbieten, ermöglichen mehr Menschen den Zugang zu Reiseprodukten und verändern komplett die Art und Weise, zu buchen, zu reisen sowie die Reise zu erleben. Der World Travel & Tourism Council (WTTC) rechnet im Jahr 2024 mit ca. 1,5 Mrd. internationalen Ankünften, was bis 2050 durch einen Anstieg der Mittelschicht in Entwicklungsländern auf ca. 3–4 Mrd. internationale Ankünfte prognostiziert wird. Der Tourismus bringt wirtschaftliche Vorteile, fördert örtliche Infrastruktur und ist besonders für ländliche Regionen eine bedeutende Einkommens- und Beschäftigungsquelle. Die Tourismuseinnahmen ermöglichen oft erst den Erhalt und das Wiederentdecken lokaler Traditionen, Handwerks und Bräuche. Im gleichen Maße hinterlässt der heutige Tourismus aber auch vermehrt negative Spuren in den Destinationen, wie Zerstörung oder Verdrängung. So sind z. B. in touristisch attraktiven Vierteln die Preise so stark gestiegen, dass die lokale Bevölkerung sich die Lebenshaltungskosten oder Mietpreise nicht mehr leisten kann und verdrängt wird (z. B. Sylt, Berlin Kreuzberg, Wien Naschmarkt oder Zermatt in der Schweiz). Andere Destinationen haben ihr gastronomisches, kulturelles oder sprachliches Angebot so stark dem Geschmack des globalen Massentourismus angepasst, dass die eigene Kultur verfremdet oder verloren geht. Der bekannte hohe CO2-Ausstoß bei Flugreisen, der Bau von Skipisten oder Einsatz von Schneekanonen schädigt die Natur und ihre Lebenswelten dauerhaft. Der Kauf von Souvenirs aus artgeschütztem Material, aber auch weniger bekannte Umweltsünden wie chemische UV-Filter in Sonnencremes, die Korallen zerstören und die Entwicklung von Fischen beeinträchtigen, sowie der Besuch von Unterhaltungsshows oder Fotos mit Wildtieren hinterlassen eine dauerhaft geschädigte Tier- und Pflanzenwelt. Dabei lassen sich Reiseerlebnisse auch anders gestalten. Die Erkenntnisse, Erfahrungen und Werkzeuge, um Tourismus nachhaltig und zukunftsorientiert zu gestalten, sind heute bereits vorhanden. Ein Tourismus, der auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit setzt und lokale Produkte und Dienstleistungen fördert sowie Einheimischen eine würdige Arbeit, Lebensraum und Einkommen bietet. Es gilt, Politiken zur Förderung eines Tourismus zu erarbeiten, die nicht nur für temporäre Gäste attraktive Angebote schafft, sondern genauso die Bedürfnisse aller Interessengruppen des Lebensraums berücksichtigt, und zwar nicht nur heute, sondern auch langfristig für alle nachfolgenden Generationen. Dieser Artikel befasst sich mit dem SDG Unterziel 8.9 und der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Er beschreibt die heutige Situation des Tourismus, definiert nachhaltigen Tourismus und geht auf seine Herausforderungen ein und offeriert bestehende und neue Maßnahmen.